20. Oktober 2021 / 18:21 Uhr

Union-Trainer Urs Fischer bleibt vor Feyenoord-Spiel undurchschaubar

Union-Trainer Urs Fischer bleibt vor Feyenoord-Spiel undurchschaubar

David Joram
Märkische Allgemeine Zeitung
Wieder zuverlässig: Unions Marvin Friedrich (l.).
Ohne ihn: Marvin Friedrich (l.) fällt fürs Conference-League-Duell bei Feyenoord aus. © 2021 Pool
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In der Conference League will der 1. FC Union Berlin bei Feyenoord in Rotterdam bestehen – mit welchem Personal, scheint egal. Fest steht: Innenverteidiger Marvin Friedrich fehlt den Berlinern nach einem positiven Coronavirus-Test.

Fußballtrainer haben gewisse Eigenschaften, die geradezu typisch für sie sind. Häufig haben sie in jungen Jahren selbst gegen den Ball getreten oder es zumindest mal versucht. Und sie wirken oft so, als habe sie der liebe Gott mit einer Grundkernigkeit ausgestattet, einer Mir-doch-egal-was-die-anderen-von-mir-denken-Mentalität. Wahrscheinlich brauchen sie diese Denke auch. Ein Trainer wird permanent hinterfragt, ständig muss er Rechenschaft ablegen, Transfers erklären, Aufstellungen erörtern und Entscheidungen verteidigen, und das so oft, dass die Phrasenschweine davon gut satt werden.

Beim 1. FC Union Berlin hat es Cheftrainer Urs Fischer in dieser Hinsicht ein bisschen bequemer, er verzichtet einfach aufs Erklären. „Schauen wir mal“, sagt er gerne, wenn Reporter wissen wollen, ob dieser oder jener Spieler in der Startelf stehen könnte. „Beides möglich“, brummt Fischer, wenn er zwischen zwei Optionen wählen soll. Ein Erklärbär, das steht fest, wird der Berliner Trainer trotz seines Vornamens – Urs stammt vom lateinischen Ursus (Bär) ab – in diesem Leben wohl nicht mehr, jedenfalls gegenüber der Öffentlichkeit nicht.

Union Berlin in Noten: Die Einzelkritik zum 2:0-Sieg gegen den VfL Wolfsburg

Die Spieler von Union Berlin in der Einzelkritik. Zur Galerie
Die Spieler von Union Berlin in der Einzelkritik. ©

Vor dem dritten Gruppenspiel in der Conference League bei Feyenoord in Rotterdam (18.45 Uhr/live bei TV Now) gab sich Fischer wie immer. Mit welcher Aufstellung Union einen Auswärtssieg im Stadion „De Kuip“, der Badewanne, landen will, blieb am Mittwochabend ein Berliner Betriebsgeheimnis. Fest stand nur, dass der gegen Haifa wegen einer Gelb-Rot-Sperre fehlende Innenverteidiger Paul Jaeckel wieder eine Option sein könnte, ebenso wie der zuletzt geschonte Kapitän Christopher Trimmel. Vizekapitän Marvin Friedrich wird hingegen nicht spielen, er war am Dienstag positiv auf das Coronavirus getestet worden und hatte Erkältungssymptome gezeigt, wie der Verein mitteilte. „Er fehlt uns“, sagte Fischer zur Zwangspause seines Verteidigers. Wer ihn ersetzen wird? „Der Spieler, der seinen Platz einnimmt, wird seine Sache gut machen“, sagte Fischer.

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Auch sonst bleibt vieles Spekulation, wobei Namen beim 1. FC Union gar nicht so wichtig erscheinen. Fischer kann aufstellen, wen er will, irgendwie läuft es ja. Die Breite des Kaders gibt es her, die Tiefe stimmt. Selbst den Torwart tauschte der Trainer gegen Haifa ohne Not aus, das Ergebnis: ein souveräner 3:0-Sieg. Gegen Wolfsburg (2:0) wiederum änderte Fischer an seiner Startelf im Vergleich zum Spiel in Mainz (2:1) rein gar nichts, auch das klappte.

Abgesehen vom mosernden Sheraldo Becker („frustrierend, auf der Bank zu sitzen“) ziehen die Spieler klaglos mit. In der Liga steuerten die Berliner Einwechselspieler schon drei Tore und vier Vorlagen bei, nur die Bayern kommen ebenfalls auf den Spitzenwert von sieben Scorerpunkten – bei insgesamt allerdings 29 erzielten Toren, Union traf lediglich zwölfmal. Zur starken Berliner Bank trägt auch Becker bei, der nach seiner Einwechslung gegen Wolfsburg das 2:0 per Kopf erzielte. Das war auch deshalb lustig, weil Becker kein Kopfballspieler ist und von sich selbst behauptet: „Ich bin kein guter Joker, ich bin ein guter Spieler.“

Wer welche Rolle bei Union ausfüllt, bestimmt aber der Chef, den Beckers Worte eher mäßig gejuckt haben dürften. „Das ist genau die Antwort, die du als Trainer sehen willst. Er ist nicht richtig zufrieden mit seiner Situation, aber wenn er gefragt ist und er auf den Platz kommt, dann ist er da“, sagte Fischer über Becker nach dem Sieg gegen Wolfsburg.


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Was das fürs Feyenoord-Spiel, dem 2000 Union-Fans beiwohnen wollen, in Beckers Heimat Niederlande heißen mag? Wahrscheinlich nicht viel. Kann sein, dass Becker wieder zuschauen muss. Kann aber auch sein, dass Fischer durchrotiert. „Feyenoord wird uns das Leben zur Hölle machen“, sagte der Trainer über das Spiel und sonst nicht viel. Das Programm mit sechs Spielen bis zum Rückspiel am 4. November deutet jedenfalls auf etliche Veränderungen in der Startelf hin, Stichwort Belastungssteuerung. Weitere Erklärungen erübrigen sich.