03. November 2020 / 12:56 Uhr

Unruhe bei Triple-Sieger FC Bayern: Nach Alaba-Knall hängt der Haussegen schief

Unruhe bei Triple-Sieger FC Bayern: Nach Alaba-Knall hängt der Haussegen schief

Patrick Strasser
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Der Zusammenarbeit zwischen dem FC Bayern und David Alaba droht ein unrühmliches Ende.
Der Zusammenarbeit zwischen dem FC Bayern und David Alaba droht ein unrühmliches Ende. © imago images/Sven Simon
Anzeige

Nach monatelangem Vertragspoker zieht der FC Bayern sein Angebot an David Alaba zurück. Der Österreicher reagiert überrascht. Wie es mit dem Verteidiger des Triple-Siegers weitergeht, ist offen. Die Beziehung zwischen Klub und Spieler ist belastet.

Es hätte alles so schön sein können. Ein nachbarschaftliches Duell des FC Bayern München mit RB Salzburg in der Champions League, die Vorfreude auf Pflichtspiel Nummer eins zwischen dem deutschen und dem österreichischen Abo-Meister an diesem Dienstag (21 Uhr, Sky) steigt von Tag zu Tag. Die Sahne auf der Vorfreudetorte dieses prickelnden Duells: Austrias bester Fußballer ist Bayerns Abwehrchef. Man fiebert dem Heimatbesuch von David Alaba (28) entgegen.

Anzeige

Doch nun ist alles anders. An der Säbener Straße hängt der Haussegen seit Sonntagabend so richtig schief, es ist Unruhe eingekehrt – und das trotz acht Siegen in Serie und der wiedereroberten Bundesliga-Tabellenführung. Der Grund für die Missstimmung: der Poker um David Alaba. Nach monatelangem Feilschen mit mehreren Verhandlungsrunden um eine Verlängerung seines Vertrages über den Sommer 2021 hinaus hat der FC Bayern nun in Person von Präsident Herbert Hainer völlig überraschend ein Machtwort gesprochen.

Mehr vom SPORTBUZZER

Weil eine bis dato unbekannte Frist zur Entscheidung an die Alaba-Seite mit Ende Oktober ablief, habe Sportdirektor Hasan Salihamidzic am Samstag bei Berater Pini Zahavi nachgehakt. „Die Antwort war, dass das Angebot immer noch unbefriedigend ist und wir weiter nachdenken sollen“, berichtete Hainer und erklärte: „Jetzt haben wir entschieden, das Angebot komplett vom Tisch zu nehmen. Das heißt: Es gibt kein Angebot mehr.“ Die Bayern-Bosse nehmen also das Heft des Handelns in die Hand und erhöhen den Druck auf Alaba. Eine Strategie mit Aussicht auf Erfolg? Nun droht der Abgang eines Leistungsträgers und Publikumslieblings im Sommer – und das ablösefrei.

Anzeige

Alaba wehrt sich gegen Behauptungen

Der Berater soll vom Vorstoß der Bayern völlig überrascht gewesen sein, auch Alaba versicherte am Montagnachmittag, er habe es „aus den Nachrichten erfahren“. Wohl auch deshalb ging Alaba nun zum verbalen Gegenangriff über: „Ich habe immer wieder betont, dass ich es sehr gern gehabt hätte, dass Internes auch intern bleibt. Meine Person in der Öffentlichkeit so darzustellen, wie es in den letzten Monaten war – da kann ich die Perspektive der Fans verstehen. Ich kann versichern, dass die Summen, die in den Raum gestellt werden, nicht der Wahrheit entsprechen. Ich war enttäuscht und auch irgendwo verletzt darüber, dass es von offizieller Stelle nicht dementiert wurde, dass ich die Zahlen, die in den Medien jetzt preisgegeben werden, nie gefordert habe.“

Gerüchteweise steht ein gefordertes Jahressalär von 20 Millionen Euro (damit wäre Alaba Spitzenverdiener beim FCB vor Robert Lewandowski und Manuel Neuer) im Raum, der Verein soll elf Millionen Grundgehalt und Prämien in Höhe von sechs Millionen bieten. Zudem verriet Alaba pikante Details: "Ich habe einen Anruf erhalten und wurde gefragt, ob ich mir einen Tausch vorstellen könne. Das war für mich ein Schlag ins Gesicht".

Aber welche Rolle spielte sein Berater? Weil auch Zahavi eine zweistellige Millionensumme allein für die Unterschrift als Honorar gefordert haben soll, hatte Ehrenpräsident Uli Hoeneß den 77-Jährigen als „geldgierigen Piranha“ bezeichnet. Hainer stellte in Anbetracht der Corona-Pandemie, die den Rekordmeister alleine an entgangenen Zuschauereinnahmen bis Saisonende rund 100 Millionen Euro kosten würden, jetzt klar: „Das Wohl des FC Bayern München muss immer über dem Wohl der handelnden Personen stehen.“

Flick: "Er ist ein absoluter Topspieler und ein ganz toller Mensch"

Ausbaden muss dies alles Trainer Flick, der sich wiederum beklagte. „Ganz ehrlich: Ich bin alles andere als glücklich, dass wir uns mit diesem Thema in einer Woche, wo wir zwei sehr, sehr schwere Spiele in Salzburg und Dortmund haben, befassen müssen.“ Er wiederholte zum x-ten Mal, er wäre „sehr froh, wenn David dem FC Bayern über die Saison erhalten bliebe. Er ist ein absoluter Topspieler und ein ganz toller Mensch.“ Neben der Causa Alaba musste Flick am Montag auch noch einen positiven Corona-Test bei Verteidiger Niklas Süle verdauen.

Alaba kann nun ab 1. Januar woanders zum 1. Juli unterschreiben: Real Madrid will ihn unbedingt. Es scheint nach SPORTBUZZER-Informationen seine favorisierte Wahl. Doch nach Medienberichten aus Spanien könnte ein Wechsel zu den Königlichen ebenso am Geld scheitern wie ein möglicher Transfer zum FC Barcelona.