22. Oktober 2021 / 15:01 Uhr

Van Bommel kämpft mit Wolfsburg gegen die Pleiten-Serie: "Wir kommen da raus!"

Van Bommel kämpft mit Wolfsburg gegen die Pleiten-Serie: "Wir kommen da raus!"

Andreas Pahlmann und Marcel Westermann
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung
Pleiten-Serie: Zuletzt gab's für Mark van Bommel und den VfL ein 1:3 in Salzburg.
Pleiten-Serie: Zuletzt gab's für Mark van Bommel und den VfL ein 1:3 in Salzburg. © dpa / hermstein
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Nach drei Liga-Niederlagen in Folge und dem Champions-League-1:3 in Salzburg sucht der VfL Wolfsburg den Weg aus der Krise. Am Samstag ist der noch unbesiegte SC Freiburg in der VW-Arena zu Gast.

Der VfL Wolfsburg sucht den Weg aus der Krise. Sieben Spiele in Folge nicht gewonnen, drei Bundesliga-Niederlagen nacheinander und zuletzt ein trauriges 1:3 in der Champions League bei RB Salzburg. Der Druck für die Niedersachsen und ihren Trainer Mark van Bommel ist vor dem Heimspiel am Samstag (15.30 Uhr) gegen den SC Freiburg groß. Nach der Rückkehr aus Österreich habe er "gute Gespräche mit den Jungs gehabt", sagt van Bommel, ohne näher auf Inhalte einzugehen.

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Klar sei: "Defensiv müssen wir was ändern - und das werden wir auch tun." Ob das eher die Auf- oder die Einstellung betrifft, ließ er offen. Nach dem Salzburg-Spiel hatten Manager Jörg Schmadtke und viele Spieler mehr Intensität und mehr Bereitschaft zum kollektiven Verteidigen eingefordert, auf dem Trainingsplatz zeigte das offenbar schon Wirkung. Van Bommel jedenfalls deutete an: "Wenn man das Training gesehen hat, dann stellt sich diese Frage nicht" - er verstehe aber die Skepsis, "weil es im Spiel nicht so aussah".

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In Salzburg war das Abwehrverhalten in entscheidenden Momenten schlimm. Van Bommel: "Das macht keiner mit Absicht, aber es sieht so aus, als ob man überall zu spät kommt und das nicht gut löst." Das seinen Phasen, so merkte er zum wiederholten Mal an, durch die müsse "man eben durch". Natürlich mache auch ihm die aktuelle Bilanz Sorgen, dennoch ist er sich sicher: "Wir kommen da raus."

Und wenn nicht? Bei einer Niederlage würde der VfL seine traurige Serie verlängern - vier Wolfsburger Liga-Pleiten in Folge gab es zuletzt vor ziemlich genau vor neun (!) Jahren. Kurios: Damals war das vierte verlorene Spiel ein Heimspiel gegen Freiburg (!), anschließend musste Trainer Felix Magath gehen. Vor dem 0:2 gegen die Breisgauer am 20. Oktober 2012 hatte es ein 0:3 bei den Bayern, ein 0:2 gegen Mainz und ein 0:3 auf Schalke gegeben. Damals war der VfL Letzter - dieses Schicksal droht aktuell auch im ungünstigsten Fall nicht.

Denn das Polster der vier gewonnenen Spiele zu Saisonbeginn dämpft aktuell noch den Wolfsburger Absturz. In diesen ersten Spielen war der VfL defensiv deutlich stabiler, allerdings gegen weniger starke Gegner auch seltener gefordert. "Wir haben am Anfang der Saison gezeigt, dass wir es können", so van Bommel, der vor allem an die Leistungen gegen Leipzig, Lille und Sevilla erinnert. "Es ist nicht weg, wir müssen es nur wieder abrufen." Kopfsache? "Wir sitzen nicht mit dem Kopf zwischen den Knien in der Kabine", so der Coach. Die Konzentrationsprobleme bei gegnerischen Standards habe er "ziemlich deutlich" angesprochen und ist sich sicher: "Die Jungs haben das kapiert".

Personell sieht es ein wenig besser aus als zuletzt, Josuha Guilavogui (nach Sperre in der Champions League) und Yannick Gerhardt (nach Mittelfußprellung) sind wieder da. Im Kampf um den Mittelfeldplatz neben Maximilian Arnold (wird mit dann 260 Einsätzen alleiniger VfL-Liga-Rekordspieler) müssen sich beide aber womöglich hinten anstellen - denn Aster Vranckx bekam nach seinem Startelf-Debüt in Salzburg Lob vom Coach: "Er hat das sehr gut gemacht, ich war sehr zufrieden." Ob Dodi Lukebakio trotz seiner erkennbar mangelnden Bereitschaft zur Defensiv-Arbeit eine weitere Chance bekommt, ließ van Bommel offen, sagte nur: "Ich würde mich wundern, wenn ein Spieler keine Lust hat. Jeden Tag im Training und im Spiel 100 Prozent geben, so muss es sein - und nicht anders."


Luca Waldschmidt (muskuläre Probleme) fällt weiterhin aus, auch der zuletzt ohnehin nicht berücksichtigte Admir Mehmedi ist wegen einer Muskelverletzung nicht dabei. Wout Weghorst (Corona-Infektion) ist noch eine Weile raus, außerdem fehlen nach ihren Kreuzbandrissen weiterhin Xaver Schlager, Bartosz Bialek und William.

Gegner Freiburg kommt mit viel Selbstvertrauen nach Wolfsburg: Kein Spiel hat der SC in dieser Saison verloren - und ist damit eigentlich Favorit in der VW-Arena. Trainer Christian Streich sieht's allerdings anders. "Natürlich sind die Wolfsburger durch die Ergebnisse nicht zu 100 Prozent gefestigt. Wolfsburg hat ganz andere Ansprüche als die letzten Ergebnisse. Aber wir müssen in das Spiel gehen mit dem Wissen, dass sie zu jeder Zeit den Schalter umlegen können."

Angesprochen auf Streich setzte sein Wolfsburger Kollege van Bommel übrigens - wohl nicht ganz uneigennützig - zum Plädoyer für Geduld mit Übungsleitern an: "Er ist schon mehr als zehn Jahre da, seine eigenen Ideen stecken schon längst im Verein und in der Mannschaft. Es kommen neue Spieler dazu, aber die Idee bleibt gleich. Wenn man solange beieinander ist, dann sieht man das auch." Und bis so ein Zustand erreicht ist, könne es eben dauern, wie die aktuelle VfL-Situation zeige: "Das ist völlig normal."

Sportlich lief es zuletzt mau, die Dauerkarten gelten letztmals nicht - die Resonanz für das VfL-Heimspiel ist überschaubar. Zwar dürften erstmals theoretisch wieder 30.000 Zuschauerinnen und Zuschauer in die Arena, gerechnet wird aber nur mit knapp 11.000 Fans, darunter etwa 300 aus Freiburg. "Vielleicht liegt es noch ein wenig an Corona", glaubt van Bommel, der ansonsten keine Idee hat, woran die niedrigen Zuschauerzahlen liegen. Aber er sagt auch: "Ich hoffe, dass so viele wie möglich kommen. Ein volles Stadion ist wichtig für die Spieler und dafür spielt man Fußball."