29. Mai 2020 / 20:22 Uhr

VfL-Frauen: Weltweite Beachtung und eine Überraschung im Tor

VfL-Frauen: Weltweite Beachtung und eine Überraschung im Tor

Andreas Pahlmann und Jasmina Schweimler
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung
Pernille Harder traf gegen Köln doppelt
Pernille Harder traf gegen Köln doppelt
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Das erste Geisterspiel in der Geschichte der Frauen-Bundesliga lief unter weltweiter Beachtung. Alles ging gut - und der Ausgang auf dem Feld war keine Überrraschung, der VfL Wolfsburg ist nach dem 4:0 gegen den 1. FC Köln weiter auf Meisterkurs.

Wenige Stunden vor dem Anpfiff in Wolfsburg verbreitete der DFB die Meldung, dass Fernsehbilder der Frauen-Bundesliga in 16 Länder verkauft wurden – von Schweden bis Panama. Die Welt schaute hin, als gestern das erste Geisterspiel nach der Corona-Pause lief. Dass es für den VfL gegen den 1. FC Köln sportlich gut ging, ein glattes 4:0 heraussprang, hatte man erwarten dürfen. Und doch, so Ralf Kellermann, Sportlicher Leiter der VfL-Frauen, „war ich so angespannt wie selten. Uns war klar, dass wir in der Verantwortung standen, die Sache gut über die Bühne zu bekommen.“ Und das unter internationaler Beobachtung.

Vieles war anders als sonst im AOK-Stadion. Journalisten und Journalistinnen wurden nach erfolgreicher Fiebermessung einzeln in das Stadion begleitet, der Stadion-DJ versuchte sich aufgrund der Personalbegrenzung parallel auch als Stadionsprecher, insgesamt waren nur 165 Personen vor Ort – aufgeteilt auf die durch das Hygienekonzept vorgegebenen drei Zonen. Darunter auch die drei VfL-Geschäftsführer Tim Schumacher, Jörg Schmadtke und Michael Meeske sowie Sportdirektor Marcel Schäfer.

VfL gegen Köln - Die Bilder des ersten Frauen-Geisterspiels

Das erste Geisterspiel der Frauen-Bundesliga Zur Galerie
Das erste Geisterspiel der Frauen-Bundesliga ©

Die Teams kamen nacheinander aufs Feld, kurz vor Anpfiff nahmen die Auswechselspielerinnen mit Abstand und Masken auf der Tribüne und nicht wie gewohnt auf der Bank Platz. Kölns Co-Trainerin Mirella Junker und Wolfsburg-Coach Stephan Lerch gaben sich per Ellenbogen „die Hand“. FC-Trainer Sascha Glass musste eine Rot-Sperre absitzen – ziemlich einsam oben auf der Tribüne. Sportlich lief es eher normal: Nach zähem Beginn gewann der VfL durch umarmungsfrei bejubelte Tore von Pernille Harder (2), Svenja Huth und Alexandra Popp mit 4:0.

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„Es war ungewohnt. Dadurch, dass wir im heimischen Stadion gespielt haben und unsere Fans nicht im Rücken hatten, hat es sich angefühlt wie auf neutralem Boden. Nichtsdestotrotz sind wir konzentriert ins Spiel gegangen“, so Torschützin Svenja Huth. „Die Atmosphäre, so ergänzte Popp, war „sehr komisch. Man hört es ja eher hallen, das ist ein anderes Gefühl. Aber man kann es doch recht gut ausblenden.“ Und man wisse es zu schätzen, dass „wir in der jetzigen Situation auf dem Platz stehen dürfen. Das ist ein großes Privileg“.

Dass der Live-Stream auf dfb.tv ruckelte, war schon das größte Problem bei dieser Geisterspiel-Premiere. Ansonsten lief alles glatt. „Wir waren gut vorbereitet“, freute sich auch Kellermann nach dem Abpfiff – nicht zuletzt, weil man sich bei den männlichen Kollegen einiges hatte abschauen konnte. Was auch für den Trainer galt. Stephan Lerch: „Wenn man Anweisungen gibt, bekommen das alle im Stadion mit, auch die gegnerischen Trainer – darauf muss man sich einstellen, denn man will ja nicht alles auf dem Silbertablett servieren...“

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Auch in der Corona-Krise treiben die Vereine der Frauenfußball-Bundesliga ihre Personalplanungen für die neue Saison voran. Der SPORTBUZZER fasst die wichtigsten Transfers zusammen. Zur Galerie
Auch in der Corona-Krise treiben die Vereine der Frauenfußball-Bundesliga ihre Personalplanungen für die neue Saison voran. Der SPORTBUZZER fasst die wichtigsten Transfers zusammen. ©

Überraschend stand beim VfL Friederike Abt im Tor. Bahnt sich da ein dauerhafter Wechsel zwischen den Pfosten an? Die Ex-Hoffenheimerin hatte offenbar in den Übungseinheiten während der Corona-Pause den besseren Eindruck hinterlassen. Trainer Stephan Lerch: „Sie war eine Nasenlänge voraus.“ Grundsätzlich sei er froh „dass wir mit Hedvig und Friederike zwei starke Torhüterinnen haben, mit Melina Loeck dazu eine starke Nachwuchstorfrau. Alle haben einen guten Job gemacht und sich in den letzten Wochen richtig reingekniet.“ Nach Abts Trainingsleistungen war es aber „die logische Konsequenz, dass sie den Vortritt kriegt“. Für die 25-Jährige war es das Bundesliga-Debüt für den VfL. „Ich habe mich sehr über das gegebene Vertrauen gefreut“, so Abt, die berichtet: „Sie haben mir bereits frühzeitig das Signal gegeben, dass sie mich gern spielen lassen würden. Die letzten sechs Wochen waren sicher nicht einfach für uns und das hat man im Spiel heute auch gesehen.“ Aber: „Die Kölner-Chance direkt zu Beginn hat mir viel Sicherheit gegeben, dass ich da sofort gefordert war und nicht viel Zeit hatte nachzudenken. Ich war direkt im Spiel. Ich bin froh, dass das Spiel zu null ausgegangen ist.“


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VfL: Abt - Blässe (64. Jakabfi), Wedemeyer, Goeßling, Janssen - Gunnarsdottir - Harder (79. Engen), Popp, Rolfö (70. Wolter) - Huth (70. Minde), Pajor (64. Maritz).

Köln: Herzog - Calo, Hild, Nietgen, Rinast - Hirano, Ondrusova (83. Giraud), Gosch, Meßmer - Beckmann, Barrett.

Tore: 1:0 (33.) Harder (Foulelfmeter), 2:0 (45.) Huth, 3:0 (65.) Popp, 4:0 (78.) Harder.

Rote Karte: (76.) Barrett.

Schiedsrichterin: Hussein (Bad Harzburg).