18. Oktober 2021 / 18:13 Uhr

Wolfsburgs Lukas Nmecha über Rassismus: "Da sitzt irgendein frustrierter Typ in seinem Keller..."

Wolfsburgs Lukas Nmecha über Rassismus: "Da sitzt irgendein frustrierter Typ in seinem Keller..."

Marcel Westermann
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung
Liefen am Wochenende erstmals zusammen für den VfL auf: Lukas (l.) und Felix Nmecha.
Liefen am Wochenende erstmals zusammen für den VfL auf: Lukas (l.) und Felix Nmecha. © DPA
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Felix Nmecha vom VfL Wolfsburg überlegt, vom britischen zurück zum Deutschen Fußball-Verband zu wechseln. Zudem sprachen er und Bruder Lukas über rassistische Beleidigungen im sozialen Netzwerk.

Felix und Lukas Nmecha - beim 0:2 bei Union Berlin liefen die Brüder erstmals gemeinsam für den Wolfsburger Fußball-Bundesligisten auf. Kann das bald auch bei der deutschen Nationalmannschaft der Fall sein? Während Lukas Nmecha schon länger im Blickfeld von Bundestrainer Hansi Flick ist, liebäugelt auch Felix Nmecha damit, vom britischen Verband zurück zum DFB zu wechseln. "Ich habe schon etwas in meinem Kopf", verrät der VfL-Profi im Doppel-Interview mit dem Kicker.

2017 hatte Lukas Nmecha mit England die U19-EM gewonnen, ehe er sich anschließend für den DFB entschied. Mit der deutschen U21 holte er in diesem Sommer den U21-EM-Titel, entschied das Finale mit seinem Treffer zum 1:0 für sein Team. Ähnlich könnte der Werdegang von Bruder Felix werden. In der U18 lief er für Deutschland auf, ehe er fortan für England kickte. Was Felix Nmecha für seine Zukunft geplant hat, wollte er noch nicht verraten. Er sagte nur so viel: "Es könnte sein, dass ich auch wieder für Deutschland spiele. Kontakt zum DFB gibt es. Aber es ist noch nicht an der Zeit, darüber zu sprechen. Ich konzentriere mich gerade voll auf den VfL."

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Die Nmecha-Brüder sprachen auch über die Vorfälle im Zuge des EM-Finals, als Englands Jadon Sancho, Marcus Rashford und Bukayo Saka nach verschossenen Elfmetern rassistisch beleidigt worden waren. "Es ist schlimm, so etwas passiert leider überall auf der Welt. Social Media ist für alle offen, es ist anonym, es wird aus meiner Sicht zu wenig verfolgt und bestraft", betont Lukas Nmecha und fordert härtere Maßnahmen. Er und Felix Nmecha werden selbst immer mal wieder Opfer von fremdenfeindlichen Äußerungen, zwar "noch nie auf der Straße, aber auf Social Media", sagt Lukas Nmecha. Rassistische Anfeindungen kommen "hauptsächlich per Direktnachrichten", berichtet Felix Nmecha. "Es kommen Affen-Emojis, solche Dinge", führt sein älterer Bruder aus.

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Entsprechende Nachrichten ignorieren beide - so gut es geht. "Manchmal kommt man aber nicht daran vorbei", sagt Lukas Nmecha. "Ich lasse es aber nicht an mich heran. Da sitzt halt irgendein frustrierter Typ in seinem Keller, hat offenbar nichts Besseres zu tun und ist einfach nur sauer auf sein Leben. Ich reagiere nie darauf." Sein Bruder handhabt es ähnlich. "Würde man reagieren, dann hätten diese Menschen gewonnen. Es berührt mich nicht, es ist einfach dumm. Ich kann diese Menschen nicht verändern, das muss in deren Köpfen stattfinden. Es ist traurig, dass so etwas noch immer passiert", sagt Felix Nmecha.

Sportlich läuft es bei beiden ordentlich. Während Felix Nmecha am Samstag sein Pflichtspiel-Debüt für den VfL gab, hat sein Bruder schon sieben Einsätze (zwei Tore) und damit eine Partie mehr als bei seinem ersten Wolfsburg-Engagement in der Saison 2019/20 auf dem Konto. In Berlin durfte Lukas Nmecha anstelle des in dieser Saison bisher eher glücklosen Wout Weghorst von Beginn an ran - und das wird auch erst mal so bleiben. Denn der Niederländer wurde positiv auf das Coronavirus getestet und wird die nächsten Partien verpassen.

Salzburg muss auf Sesko verzichten

Nach drei Niederlagen in Folge muss der VfL am Mittwoch (18.45 Uhr) in der Champions League bei RB Salzburg ran. Einfach wird's nicht, doch Matthias Jaissle, Trainer der Österreicher, muss gegen die Wolfsburger auf einen seiner wichtigsten Akteure verzichten. Angreifer Benjamin Sesko hat sich beim 1:1 in Altach einen leichten Muskelfaserriss im Oberschenkel zugezogen und wird drei bis vier Wochen ausfallen. Damit könnte der Slowene auch das Rückspiel (23. November) in der VW-Arena verpassen. In der Liga erzielte der 18-Jährige in elf Spielen drei Tore, sogar Real Madrid soll schon ein Auge auf ihn geworfen haben. Nach zuletzt zehn siegreichen Partien in Folge, ging RB am vergangenen Wochenende nicht als Sieger vom Platz. Für das VfL-Spiel sei Salzburg "sicher nicht der Favorit", sagt Jaissle. "Aber wenn wir so wie in den ersten zwei Spielen drauf sind, dann können wir auch Wolfsburg ein wenig ärgern." Und der Coach weiß um die Stärken der Gäste: "Der VfL hat eine individuell starke Truppe und sehr viel Breite im Kader. Eine Top-Mannschaft der Bundesliga."