30. September 2021 / 13:59 Uhr

Wolfsburg-Torschütze Steffen: Ohne Lockerheit "spielst du so verkrampft wie ich"

Wolfsburg-Torschütze Steffen: Ohne Lockerheit "spielst du so verkrampft wie ich"

Andreas Pahlmann
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung
Rein mit dem Ball, raus mit der Freude: Renato Steffen traf für den VfL Wolfsburg gegen Sevilla.
Rein mit dem Ball, raus mit der Freude: Renato Steffen traf für den VfL Wolfsburg gegen Sevilla. © Boris Baschin / dpa
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Renato Steffen hat beim 1:1 des VfL Wolfsburg am Mittwoch gegen Sevilla sein erstes Saisontor geschossen. An die Rotation in der VfL-Offensive musste sich der Schweizer erst gewöhnen: "Wenn du dir zu viele Gedanken machst, dann spielst du so verkrampft wie ich in den letzten Wochen."

Acht Tore in sechs Bundesliga-Spielen, ein Tor in zwei Champions-League-Partien: Die offensive Ausbeute ist beim VfL Wolfsburg in dieser Saison nicht gerade üppig. Da trifft es sich gut, dass einer jetzt das Toreschießen wieder entdeckt hat: In bester Mittelstürmer-Art stand Renato Steffen am Mittwochabend goldrichtig, der Außenbahner traf gegen Sevilla. Es hätte das Siegtor sein können - aber ein Witz-Elfmeter sorgte für den 1:1-Endstand.

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"Es ist schwer, mich über das Tor zu freuen", so der Schweizer nach seinem ersten Saisontreffer. "Ich würde mich mehr freuen, wenn wir das 1:0 über die Zeit geschaukelt hätten." Dass der Elfer den Sieg verhinderte, sei die eine Sache - die andere: "Wir haben versucht, Nadelstiche zu setzen, wenn die Weghorst-Chance reingeht, haben wir weniger Diskussionen nach dem Spiel."

"Wenn" - ein Zauberwort im Wolfsburger Spiel nach vorn. Wenn die Chancen reingehen und wenn der letzte Pass vorm Tor des Gegners besser kommt, dann sähe vieles (noch) besser aus. Eines der Probleme: In der offensiven Dreierreihe hinter Wout Weghorst wird viel rotiert. Das ist angesichts der englischen Wochen schwierig, macht aber auch das Etablieren von Automatismen mit Neuzugängen wie Dodi Lukebakio, Lukas Nmecha oder Luca Waldschmidt im Angriffsspiel schwieriger. "Klar", sagt Steffen,"wenn du drei, vier Spiele nacheinander immer drin bist, dann ist es einfacher."

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Auch er selbst war Teil der Rotation: Startelf-Einsätze in den ersten Saisonspielen, dann als Joker gefragt, in Hoffenheim zuletzt auch mal ganz draußen. "In der ersten Saisonphase habe ich nicht so gespielt wie gewünscht, dann bist du bei einem Top-Kader wie wir ihn haben, auch mal draußen", sagt er. "Und wenn du dir zu viele Gedanken machst, dann spielst du so verkrampft wie ich in den letzten Wochen."

Dabei dürfte die Rotation eigentlich nicht hemmen, findet er. "Die Spielidee ändert sich ja nicht um 180 Grad, sondern wird nur Woche für Woche je nach Gegner um Nuancen angepasst." Und die Möglichkeiten für Trainer Mark van Bommel sind da durchaus üppig, Steffen steht in Konkurrenz zum abschlussstarken Lukas Nmecha, zum technisch guten Waldschmidt und vor allem zum schnellen Dribbler Lukebakio, der eine ganz spezielle neue Qualität in Wolfsburgs Offensive bringt - auch, wenn er wie gegen Sevilla zentral hinter Weghorst wie eine Art zweite Spitze agiert. "Dodi kann mit seiner Art und Weise Fußball zu spielen, ein Spiel verändern", lobt Manager Jörg Schmadtke.

Steffen - dessen Qualitäten auch in der Handlungsschnelligkeit liegen - leidet derweil vielleicht noch ein bisschen mehr als seine Offensivkollegen unter dem Ausfall von Xaver Schlager. Der Österreicher, der sich von einem Kreuzbandriss erholt, machte aus quasi jeder Ballberührung eine Aktion nach vorn, während die aktuelle Doppel-Sechs aus dem defensiv starken Josuha Guilavogui und dem eher tiefer im Mittelfeld agierenden Maximilian Arnold besteht. Das macht das VfL-Spiel stabil und extrem gegentorarm, nimmt ihm aber offensive Wucht.


Und so nimmt van Bommel weiter Anpassungen vor, lässt Ridle Baku auf beiden Seiten spielen, setzt Lukebakio mal in die Mitte, gibt Waldschmidt und Nmecha ihre Einsatzminuten - und setzt eben auch mal auf Steffen und mal nicht. Wie geht man damit um? "Du musst halt locker werden im Kopf", so der Torschütze vom Mittwoch, der sich ein wenig daran gewöhnen musste, "dass Rotation normal ist. Das habe ich gemacht, und ich werde auch weiter mit mehr Lockerheit in die nächsten Spiele gehen."

Dass ein Torerfolg dabei hilft, ist selbstredend - aber noch keine Garantie für einen Einsatz am Samstag gegen Gladbach."Jetzt werden wir regenerieren und dann schauen wir, ob der Renato gebraucht wird", sagt Steffen lachend. Wichtiger: "In dem Spiel wollen wir zeigen, dass wir drei Punkte verdienen - und unserem Publikum wollen wir vor der Länderspielpause einen Sieg schenken."