18. Oktober 2021 / 14:21 Uhr

Wolfsburgs Weghorst, Corona und die Impf-Frage: "Alles passiert aus einem Grund"

Wolfsburgs Weghorst, Corona und die Impf-Frage: "Alles passiert aus einem Grund"

Andreas Pahlmann
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung
Wout Weghorst wird dem VfL Wolfsburg nach Corona-Infektion für mindestens drei Spiele fehlen.
Wout Weghorst wird dem VfL Wolfsburg nach Corona-Infektion für mindestens drei Spiele fehlen. © Roland Hermstein
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Wout Weghorst, Stürmer des VfL Wolfsburg, befindet sich wegen einer Corona-Infektion in Quarantäne. Sein Impfstatus ist nicht bekannt. Das wirft Fragen auf. Manager Schmadtke sagt: "Es würde viele Dinge für uns im Handling vereinfachen, wenn alle geimpft wären."

Die Frage, ob Lukas Nmecha nach dem 0:2 des VfL Wolfsburg in Berlin weiter als Sturmspitze der Niedersachsen auflaufen wird, hat sich auf unangenehme Weise erledigt. Wout Weghorst, von Nmecha am Samstag aus der Startelf verdrängt, wurde positiv auf das Corona-Virus getestet und fällt erst einmal aus - nicht nur für das Champions-League-Spiel am Mittwoch (18.45 Uhr) bei RB Salzburg, sondern gemäß den Vorgaben des örtlichen Gesundheitsamtes auch für die Liga-Partien gegen Freiburg am Samstag und eine Woche später in Leverkusen.

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Der Konkurrenzkampf um die zentrale Angriffsposition, der gerade erst begonnen hatte und der für den zuvor unangefochtenen Weghorst Neuland ist, muss nun vertagt werden. Das ist der sportliche Effekt des Ausfalls von Weghorst, der sich aktuell in Quarantäne befindet und dessen Comeback-Zeitpunkt am Ende von weiteren Tests abhängen wird.

Die wichtigere Frage aber ist: Wie gehen die Vereine eigentlich mit nicht geimpften Spielern um? Über den Impfstatus seiner Profis macht der VfL, wie viele andere Klubs auch, aus Datenschutzgründen keine Angaben. Die DFL hatte bereits im Mai die Impfung aller Profis empfohlen, vereinzelt machten einige Klubs die Impf-Situation ihres Kader ganz oder teilweise öffentlich. Bayern-Coach Julian Nagelsmann etwa verriet kurz vor Saisonstart, dass der FCB im Kader und im Klub "eine deutlich bessere Impfquote als sonst in der Gesellschaft" habe, das sei "wichtig und sehr erfreulich für uns“. Der FC Augsburg und der 1. FC Köln waren später die beiden ersten Erstliga-Klubs, die öffentlich bestätigten, dass ihre Kader komplett durchgeimpft sind.

In den USA sorgte zuletzt der Fall von Kyrie Irving für Schlagzeilen. Der NBA-Basketballer wurde von seinem Klub, den Brooklyn Nets, aus dem Spielbetrieb genommen, weil er ungeimpft ist. In New York gilt die 2G-Regel bei sportlichen Großveranstaltungen in der Halle auch für Spieler. Als in Wolfsburg beschlossen wurde, nur noch Geimpfte oder Genesene Zuschauerinnen und Zuschauer zu den Spielen zuzulassen (2G-Regel), kam unter Fans schnell die Frage auf, warum man denn auf den Rängen geimpft sein müsse, auf dem Feld aber möglicherweise nicht.

VfL-Manager Jörg Schmadtke erklärte gegenüber dem SPORTBUZZER: "Als Verein kann ich es nicht zu einer verpflichtenden Maßnahme für Spieler machen, weil ich finde, dass jeder Mensch eine Möglichkeit haben muss, über sich selbst zu entscheiden." Das gelte für das Verhältnis von Arbeitgeber zu Arbeitnehmer - beim Stadionbesuch gehe es "um Freizeitverhalten, das ist ein Stück weit was anderes". Und als Anbieter für das Freizeit-Vergnügungen Stadionbesuch "kann ich Rahmenbedingungen schaffen, die akzeptiert werden oder nicht". Das müsse man abwägen, weil "es einen wirtschaftlichen Unterschied machen kann".

Die Annahme, Weghorst sei nicht geimpft, ist eine Vermutung. Allerdings eine begründete. Denn das Thema Weghorst & Corona hat eine Vorgeschichte. Im vergangenen Dezember teilte der Stürmer via Instagram einen Post der umstrittenen amerikanischen Impfgegnerin Dr. Christiane Northrup, die als Anhängerin von Verschwörungstheorien gilt. "Stell dir eine Impfung vor, so sicher, dass man dazu gezwungen werden muss - für eine Krankheit, so tödlich, dass du getestet werden musst, um zu wissen, dass du sie hast“, hieß es da. Weghorst schrieb dazu: „Das! Leute, informiert euch selbst.“


Seinen Post löschte Weghorst später, entschuldigte sich in einer vom Verein verbreiteten Erklärung. Allerdings: Als er im April im ZDF-Sportstudio darauf angesprochen wurde, verweigerte er eine Distanzierung, sagte: "Das Einzige, was mir damals bei dem Post bis zum heutigen Tag sehr wichtig ist, ist, dass sich jeder mit dem Thema auseinandersetzt und versucht zu vertiefen, was das angeht.“

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Sowohl im Dezember als auch im April hatte es anschließend viel öffentliche Kritik an Weghorst gegeben, Manager Jörg Schmadtke bestellte ihn zum Gespräch. Weghorst erklärte anschließend: "Ich bin kein Corona-Leugner. Da sind weltweit Leute daran gestorben, was erschütternd ist.“

Nachdem der VfL nun am Montag die Corona-Infektion des Spielers öffentlich gemacht hatte, reagierte Weghorst via Instagram, ohne auf seine konkrete Situation oder seine Haltung zu Impfungen einzugehen. "Alles passiert aus einem Grund", schreibt er. "Das Leben ist wie Fahrrad fahren, um die Balance zu halten, musst du dich bewegen. Ich nutze diese Zeit, um mich zu entwickeln und komme stärker zurück."

Grundsätzlich, so Schmadtke, "würde es natürlich viele Dinge für uns im Handling vereinfachen, wenn alle geimpft wären - das würde uns aber auch nicht mit letzter Gewissheit davor schützen, dass wir Corona-Fälle bekommen". Weghorst hatte am Sonntagmorgen über Symptome geklagt, ein anschließender Test brachte den positiven Befund. Alle anderen am Sonntag und Montag durchgeführten Tests bei Spielern, Trainer- und Betreuerstab, so der VfL, seien negativ gewesen.