25. September 2021 / 19:01 Uhr

Viel zu passive Wolfsburger: "Vielleicht war es mal ganz gut, einen auf den Deckel zu bekommen"

Viel zu passive Wolfsburger: "Vielleicht war es mal ganz gut, einen auf den Deckel zu bekommen"

Engelbert Hensel
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung
Premiere: Mark van Bommel kassierte seine erste Bundesliga-Niederlage als Wolfsburg-Trainer.
Premiere: Mark van Bommel kassierte seine erste Bundesliga-Niederlage als Wolfsburg-Trainer. © 2021 Getty Images
Anzeige

Im sechsten Fußball-Bundesliga-Spiel hat es den VfL Wolfsburg erwischt. Im Duell mit 1899 Hoffenheim gab es beim 1:3 die erste Niederlage für die Niedersachsen.

Sechstes Spiel, erste Niederlage - jetzt hat es den VfL erwischt: Der Wolfsburger Fußball-Bundesligist verlor am Samstagnachmittag bei 1899 Hoffenheim mit 1:3 (1:1), das Super-Tor von Ridle Baku in der ersten Halbzeit war zu wenig, weil das Team von Trainer Mark van Bommel diesmal sowohl in der Defensive als auch in der Offensive vieles schuldig blieb. Hinten war es häufig zu passiv, vorn saß der letzte Pass nicht oder die Strafraumbesetzung war nicht gut.  „Nicht nur weil es das erste Mal ist – immer wenn man verliert, ist man verärgert", sagte Trainer Mark van Bommel.

Anzeige

Warum hat es den VfL jetzt erstmals erwischt? „Das ist immer schwierig zu erklären", so der Coach, der aber dann doch zu erklären versuchte, warum es keinen Wolfsburger Erfolg gab. "Wenn man kurz vor der Pause den Ausgleich bekommt, ist das nicht einfach. Aber ich glaube, dass wir am Anfang der zweiten Halbzeit auch so weitergespielt haben, wie wir das auch in der ersten gemacht haben – einzig, wir haben kein Tor geschossen. Und aus dem Nichts macht Hoffenheim das zweite Tor und dann ist der Freistoß drin – ja dann wird es schwierig, wenn es 3:1 steht. Dann kann man das Spiel schwer drehen.“

Der Holländer fand die Niederlage "unnötig, weil ich denke, dass wir ein gutes Spiel abgeliefert haben. Wir waren gut vorbereitet auf Hoffenheim und glaube, dass wir es in der ersten Halbzeit auch sehr gut gemacht haben. Wenn wir das 2:0 oder vielleicht einen Elfmeter kriegen, ist das Spiel vorbei", fügte er hinzu. Aber es kam anders - auch, weil der VfL längst nicht so zupackte wie in den Partien zuvor.

Der VfL Wolfsburg bei 1899 Hoffenheim - Die Bilder

Josuha Guilavogui (l) und Hoffenheims Florian Grillitsch kämpfen um den Ball. Zur Galerie
Josuha Guilavogui (l) und Hoffenheims Florian Grillitsch kämpfen um den Ball. ©

Zwei Gegentore hatten die Wolfsburger vor dem Spieltag in fünf Partien kassiert - im Duell mit 1899 schlug es gleich dreimal ein, weil die VfL-Profis vor allem nach der Pause oftmals viel zu passiv waren. Seltsam, weil der VfL in den vergangenen Wochen griffig und giftig bei seinen Auftritten war. Schon beim Ausgleich fühlte sich keiner der VfL-Hintermannschaft für Hoffenheim-Torjäger Andrej Kramaric zuständig. Der Kroate konnte so ganz frei einköpfen. Vor dem 1:2 von Christoph Baumgartner war das ebenfalls so, da ließ sich Linksverteidiger Jerome Roussillon von Pavel Kaderabek auf dem linken Flügel viel zu einfach abhängen, in der Mitte stand dann Baumgartner ziemlich blank, weil die Innenverteidiger John Anthony Brooks und Maxence Lacroix beide einen Hoffenheimer Spieler zustellen wollten. Beim Schlusspunkt kam dann Kaderabek nach einem Freistoß von David Raum, der an den Pfosten klatschte, frei zum Abschluss.

Trotz der Wolfsburger Führung hatte man nie vollends das Gefühl, dass der VfL, der stark angefangen hatte, das Spiel total kontrolliert. "Da muss man auch ehrlich sagen: Wir sind nicht Bayern München, die das jede Woche können, dass wir alles in Grund und Boden spielen. Das ist für uns auch ein Lernprozess", sagte Maximilian Arnold bei Sky. Das VfL-Eigengewächs hat sein 257. Bundesliga-Spiel für die Wolfsburger gemacht und hat nun Marcel Schäfer als VfL-Rekordspieler abgelöst. Der VfL müsse mit der ersten Niederlage dieser Saison "nun umgehen. Ich glaube, wir haben gute Möglichkeiten, das in den nächsten Wochen auch wieder zu verbessern". Arnold deutlich: "Vielleicht war es mal ganz gut, dass wir einen auf den Deckel bekommen haben."

Einzelkritik fürs Spiel des VfL Wolfsburg bei 1899 Hoffenheim

<b>Koen Casteels: </b> Wie zuletzt auch – er war da, wenn er gebraucht wurde, bei den Gegentoren ohne Chance. Note: 4 Zur Galerie
Koen Casteels: Wie zuletzt auch – er war da, wenn er gebraucht wurde, bei den Gegentoren ohne Chance. Note: 4 ©

Und so hat der VfL nach vier Siegen zum Liga-Start jetzt mit dem Remis in der Champions League in Lille (0:0), dem 1:1 in der Liga gegen Frankfurt und dem 1:3 bei der TSG drei Spiele in Folge nicht mehr gewinnen können. Aber einen wie van Bommel, der in seiner langen Karriere viele Höhen und Tiefen erlebt hat, bringt das nicht aus der Ruhe. Der 44-Jährige machte das, was er auch schon nach der Siegesserie gemacht hatte - er bleibt auf dem Boden und will die Spiele nicht miteinander vergleichen. "Man muss realistisch bleiben. Es ist nicht so, dass wir jedes Spiel gewinnen oder gewinnen müssen. Man muss jedes Mal schauen, wie die Situation ist. Wie entsteht so etwas? Man kann jedes Spiel anders bewerten. Es ist jetzt nicht so, dass wir in der Krise sitzen", so der Coach. "Man muss ruhig und mit beiden Füßen auf dem Boden bleiben."