14. April 2021 / 20:00 Uhr

Von Wüterichen und Manipulationen: Anekdoten aus alten Sportgerichtsurteilen

Von Wüterichen und Manipulationen: Anekdoten aus alten Sportgerichtsurteilen

Frank Müller und Rainer Hertle
Leipziger Volkszeitung
Symbolbild.
Ob Ausschreitungen oder Manipulationen: Sportgerichte hatten auch damals schon so manches zu regeln. © Imago Steinach (Symbolbild)
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Sei es ein Wutausbruch auf dem Spielfeld aufgrund eines Platzverweises oder das Fälschen von Spielerdaten. Beim Stöbern durch alte Sportgerichtsurteile stößt man auf so manche Kuriositäten. Der SPORTBUZZER hat ein paar davon rausgesucht.

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Leipzig. Im Fußball geht es bekanntermaßen mitunter rustikal zu. Das war auch schon früher so. Wir haben deshalb in alten Sportgerichtsurteilen geblättert, die das keineswegs immer erfreuliche und dennoch teils recht originelle Geschehen auf hiesigen Fußballplätzen erhellen.

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„Nur mit dem Schiri diskutieren“ wollte ein Spieler von Chemie Torgau am 30. November 1974 im Spiel bei Motor Böhlitz-Ehrenberg, nachdem der Unparteiische ihm die Rote Karte gezeigt hatte. Der Akteur ging erst, als der Unparteiische androhte, die Partie abzubrechen. Nach dem Spiel fing der Spieler das Schiri-Trio vor dessen Kabine ab und stieß einen Linienrichter zu Boden. Schlimmeres verhinderten der andere Schiri-Assistent sowie der Schiri selbst. Auch Mannschaftskameraden hielten den Wüterich zurück. Eine achtmonatige Spielsperre war ihm dennoch sicher.

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Am 14. März 1975 gab es im Match zwischen Lok Delitzsch und Traktor Krostitz drei Feldverweise für die Gäste, zwei für Ballwegschlagen, einen wegen Schiri-Beleidigung. Der Beleidiger zerbrach eine Eckfahne, wollte den Platz nicht verlassen und musste von seinen Mitspielern vom Rasen gebracht werden. Ein anderer bekundete übermütig, er sei mit der Entscheidung nicht einverstanden und der Referee solle ihn doch auch vom Platz stellen.

Absichtliche Täuschungen bei Spielern

Im Oktober 1976 wurden in einem Spiel der „Knaben“ (entspricht heute der Altersklasse D-Junioren) drei Spieler eingesetzt, die eigentlich schon auf Großfeld in den „Schülern“ (C-Junioren) hätten spielen müssen. Dem Betreuer der gastgebenden TSG MAB Schkeuditz fiel auf, dass bei den Gästen aus Bennewitz in drei Spielerpässen aus dem Geburtsjahr 1964 das Jahr 1965 gemacht worden war. Die Fälschung flog also auf, weshalb dieses Bezirksklasse-Spiel sowie die beiden vorangegangenen der BSG Traktor für die Bennewitzer jeweils verloren gewertet wurden. Damit nicht genug, das Sportgericht verhängte vier weitere Punkte Abzug sowie 100 Mark Geldstrafe. Der verantwortliche Bennewitzer Betreuer wurde für ein Jahr gesperrt.

Eine ähnliche Manipulation flog auf, obwohl sich hierbei die beteiligten Vereine eigentlich einig waren. Bei einem Spielerwechsel zwischen Aufbau und Dynamo Waldheim war das Wechseldatum in beiderseitigem Wissen gefälscht worden, um den Akteur früher spielberechtigt zu machen. Die Strafe fiel vergleichsweise milde aus, dem „empfangenden“ Verein Dynamo wurden vor Gericht vier Punkte abgezogen. (Fortsetzung folgt)