11. März 2020 / 17:51 Uhr

Vor leeren Rängen: Recken-Duo will neuen Nationaltrainer Gislason überzeugen

Vor leeren Rängen: Recken-Duo will neuen Nationaltrainer Gislason überzeugen

Carsten Schmidt
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Wie alle deutschen Nationalspieler müssen sich Timo Kastening (links) und Fabian Böhm für 14 Tage zu Hause abschotten.
Wie alle deutschen Nationalspieler müssen sich Timo Kastening (links) und Fabian Böhm für 14 Tage zu Hause abschotten. © SPORTBUZZER
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Die Woche steht für Timo Kastening und Fabian Böhm im Zeichen der Nationalmannschaft. Am Freitag müssen die Hannoveraner vor leeren Rängen und vor Neu-Trainer Gislason ihr Testspiel gegen die Niederlande absolvieren.

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An diese Nationalmannschafts-Woche wird sich auch das Recken-Duo noch lange erinnern. Fabian Böhm und Timo Kastening bereiten sich derzeit in der Nähe von Aschersleben auf das Testspiel der deutschen Handballer gegen die Niederlande am Freitag (18 Uhr, Getec-Arena Magdeburg) vor. Die Partie sollte vorrangig der Einstimmung auf die Olympiaqualifikation in Berlin (17. bis 19. April) dienen, erhält aber gleich in doppelter Hinsicht besondere Aufmerksamkeit: Alfred Gislason gibt sein Debüt als Bundestrainer – vor nahezu leeren Rängen wegen der Maßnahmen gegen das Coronavirus.

Wie ein Spiel ohne Publikum und ohne Anfeuerung von den Rängen verläuft, kann sich Böhm nicht vorstellen. „Das wird für uns alle eine neue Situation. Ich weiß nicht, wie sich das anfühlen wird.“ Der 30-Jährige ergänzt, „dass die Sicherheit und die Gesundheit der Menschen absolute Priorität haben“, und zeigt Verständnis für die Verfügung der Magdeburger Behörden.

"Der neue Bundestrainer macht klare Ansagen"

Den Nationalmannschafts-Lehrgang an sich beeinträchtigt das Coronavirus nicht. „Wir sind in einer Villa etwas außerhalb von Magdeburg untergebracht“, erzählt Böhm. „Unsere Einheiten finden ohne Publikum statt.“ Und kommen die Nationalspieler in Kontakt mit ihren Fans, dann lassen sie Vorsicht walten. „Wir halten etwas mehr Abstand und benutzen bei Autogrammwünschen unsere eigenen Schreibstifte“, sagt Böhm.

Einstellen müssen er und seine Auswahlkollegen sich auch auf den neuen Chef. Alfred Gislason hat nach der Europameisterschaft den Posten von Christian Prokop übernommen und soll zunächst die Deutschen zur Olympiaqualifikation und beim Turnier in Tokio zu einer Medaille führen. „Er hat uns am Montag Videos von unseren vergangenen Spielen gezeigt und auch einige Fehler angesprochen“, sagt Böhm. Gislason (60) und Vorgängen Prokop (41) unterscheiden sich nicht nur wegen des Alters. „Der neue Bundestrainer macht klare Ansagen und hat ebenso klare Vorstellungen“, ergänzt Böhm. „Er ist sehr erfahren und wahnsinnig erfolgreich in seiner bisherigen Laufbahn gewesen.“

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Gislason setzt auf Erfahrung

Gislason gewann mit dem SC Magdeburg und dem THW Kiel sieben deutsche Meisterschaften, holte sechsmal den deut­schen Pokal und gewann dreimal die Champions League. Der Isländer gab für den Test gegen die Niederlande die folgende Devise aus: „Wir wollen einiges testen, und ich habe auch Ideen, wie ich das machen möchte. Ich habe ganz viel Bock darauf.“

Aus dem Lustprinzip muss Gislason indessen möglichst schnell Erfolge hervorbringen – in knapp sechs Wochen beim Viererturnier in Berlin müssen die Deutschen gegen die starke Konkurrenz aus Slowenien und Schweden mindestens Zweiter werden. Daher griff er bei der Nominierung für den Test in Magdeburg bis auf Juri Knorr (19, GWD Minden) auf ausnahmslos erfahrene Spieler zurück – darunter die wieder genesenen Steffen Weinhold und Franz Semper sowie Torwart Silvio Heinevetter als Rückkehrer. „Ich werde daran anknüpfen, was Christian Prokop aufgebaut hat“, betonte Gislason. Daher gab es nach der EM noch keine Ausmusterungen, Kapitän Uwe Gensheimer, David Schmidt und Paul Drux fehlen wegen Verletzungen.

Für Böhm und Kastening gilt es in Magdeburg, nun Gislasons hohe Wertschätzung zu bestätigen, die er beiden schon bei seiner Vorstellung als Bundestrainer schenkte: „Beide kommen mehr als nur infrage“, sagte er auf die Frage, ob er ebenso wie Prokop mit dem Recken-Duo planen werde.