17. Oktober 2021 / 13:30 Uhr

Weghorst auf Wolfsburgs Bank: "Einfach zu sagen, das hast du nicht gut gemacht“

Weghorst auf Wolfsburgs Bank: "Einfach zu sagen, das hast du nicht gut gemacht“

Andreas Pahlmann und Engelbert Hensel
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung
Startelf-Wechsel: Lukas Nmecha (l.) spielte beim VfL von Beginn an, Wout Weghorst (r.) kam von der Bank.
Startelf-Wechsel: Lukas Nmecha (l.) spielte beim VfL von Beginn an, Wout Weghorst (r.) kam von der Bank. © 2021 Getty Images
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Erstmals seit mehr als einem Jahr saß Wout Weghorst beim VfL Wolfsburg mal wieder auf der Bank. Beim 0:2 bei Union Berlin stand für ihn U21-Europameister Lukas Nmecha in der Startelf. Entscheidend aber war ein anderer Offensivakteur.

Es gehe, so hat es Mark van Bommel rund um das Spiel des VfL Wolfsburg bei Union Berlin mehrmals gesagt, im Fußball oft um Details. Wenn es dafür einen Beleg gebraucht hätte, seine eigene Mannschaft lieferte ihn am Samstag in der 25. Minute: Lukas Nmecha setzte sich links stark durch, seine präzise Hereingabe fand Dodi Lukebakio, der den Ball nur hätte einschieben müssen. Hätte er das getan, wäre die Bewertung dieses Spiels anders ausgefallen. Die Verbannung von Top-Torjäger Wout Weghorst auf die Bank, die Hereinnahme Nmechas, der Verbleib Lukebakios in der Startelf - das alles hätte sich der Trainer unter der Überschrift "Gute Idee" auf die Habenseite schreiben können.

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Aber Lukebakio traf den Pfosten. Der VfL verlor zum dritten Mal nacheinander ein Fußball-Bundesliga-Spiel. Und van Bommel musste nach dem 0:2 einiges erklären. Oder besser: hätte erklären müssen. Denn er tat es nicht.

Nach wie vor ist der Niederländer kaum bereit, mehr als Oberflächlichkeiten zu liefern, wenn es um Bewertungen, Einordnungen, Erklärungen geht. Die Weghorst-Personalie machte es wieder besonders deutlich. Er habe mit ihm geredet, sagte van Bommel, es sei "für jeden Spieler, der nicht spielt, eine Enttäuschung". Und: "Ich habe ihn einfach auf die Bank gesetzt, das ist nix Schlimmes, das passiert manchmal - auch mit anderen Spielern." Dass bei einem wie ihm genauer hingeschaut wird, sei klar, "weil er sehr lange in der Startelf gespielt hat". Enttäuscht, so der Trainer weiter, habe er selbst "auch immer reagiert, wenn ich auf der Bank war. Aber das ist halt Fußball, damit muss man umgehen. Ich kann nur elf Spieler aufstellen."

Der VfL Wolfsburg bei Union: Noten und Einzelkritik

<b>Koen Casteels: </b> Beim ersten Gegentor noch dran, aber ohne Chance, beim zweiten packte er nicht beherzt zu, so dass der Ball hinter der Linie landete, stark kurz vorm Ende gegen Becker. Note: 4 Zur Galerie
Koen Casteels: Beim ersten Gegentor noch dran, aber ohne Chance, beim zweiten packte er nicht beherzt zu, so dass der Ball hinter der Linie landete, stark kurz vorm Ende gegen Becker. Note: 4 ©

Dabei hätte man gute Gründe für die Entscheidung aufzählen können, ohne Weghorst auf den Schlips zu treten. Denn U21-Europameister Nmecha hatte sich mit guten Trainingsleistungen und drei Testspieltoren gegen den HSV durchaus für seine Lieblingsposition in der Sturmspitze empfohlen - während Weghorst zuletzt die Kaltschnäuzigkeit im Abschluss hatte vermissen lassen.

Weghorst kam diesmal als Joker, was nicht einmal wirklich schlecht funktioniert hat, immerhin kam er in der letzten halben Stunde des Spiels noch dreimal in eine ordentliche Abschlussposition. "Er ist von Anfang an da, so, wie sich das gehört", lobte van Bommel. "Leider hat er nicht getroffen." Für den Mann mit der Nummer 9 war es eine sehr ungewohnten Rolle. Denn dass der beste Wolfsburger Torjäger der letzten drei Jahre mal auf der Bank saß, ist eine Weile her - zuletzt war das Ende September 2020 beim Spiel gegen den SC Freiburg der Fall, damals schonte ihn Oliver Glasner (jetzt Frankfurt) für das ein paar Tage später anstehende Spiel in der Europa-League-Quali bei AEK Athen. "Beides okay", sagt Manager Jörg Schmadtke zum Wechsel in der Sturmspitze und will das Thema nicht zu hoch hängen. "Wenn der Trainer der Auffassung ist, dass er mit einer anderen Kombination mehr Erfolg haben kann, ist das legitim, es dann so zu machen."

Nach dem Spiel in Berlin versuchte Weghorst, sich seine Enttäuschung nicht anmerken zu lassen: "Der Trainer hat mir diese Woche mitgeteilt, dass ich nicht von Anfang an spiele. Er glaubt, dass es mit anderen vorn besser wäre für die Mannschaft - und das ist das, worum es geht." Dass es die Niederlage gab, habe nicht an seinem Fehlen gelegen: "Ich glaube, dass jeder Einzelne da vorn sein Bestes gibt."


Was - und auch das ist eines dieser Details - am Ende zumindest für Lukebakio nicht uneingeschränkt galt. Vorm zweiten Berliner Tor verweigerte der Außenstürmer nach einem verlorenen Zweikampf gegen Taiwo Awoniyi das eigentlich nötige Nachsetzen und handelte sich den Vorwurf ein, wieder diese defensive Lustlosigkeit zu zeigen, die man ihm schon bei der Berliner Hertha mehrfach vorgeworfen hatte. "Das Verhalten da von ihm ist inakzeptabel - das geht nicht", so die Kritik von Schmadtke. Gleichwohl nahm der Manager den belgischen Nationalspieler für dessen Fehlschuss aus Nahdistanz in der ersten Halbzeit in Schutz: "Experten, Berichterstatter und Schlauberger auf der Tribüne sagen da, der muss rein. Aber das sind dann meistens Menschen, die noch nie in einem vollen Fußballstadion auf dem Platz gestanden haben. Ich mache Dodi keinen Vorwurf."

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Und so waren es weder die Weghorst/Nmecha-Personalie noch die Entscheidung, auch Ridle Baku erst einmal auf die Bank setzen, die den Spielausgang entschieden, sondern zwei Lukebakio-Szenen - wobei dem Pfostentreffer eine noch größere Bedeutung zukam als die "Arbeitsverweigerung" (Kicker online) in der Defensive. Van Bommel: "Ich denke, wenn wir das Tor machen, dann gewinnen wir auch." Und dann wäre das van-Bommel-Fazit zu seiner Aufstellungs-Entscheidung auch anders ausgefallen: "Ich hatte gedacht, wenn wir so starten, haben wir die meisten Chancen das Spiel zu gewinnen – wir haben es nicht gewonnen. Und so ist es im Nachhinein einfach zu sagen: Das hast du nicht gut gemacht.“