10. Februar 2021 / 13:05 Uhr

Wenn Fußballer ihr Aufwärmprogramm an der Heizung absolvieren

Wenn Fußballer ihr Aufwärmprogramm an der Heizung absolvieren

Christoph Laak
Märkische Allgemeine Zeitung
Sportplatz, SV Eintracht Vieritz
Die westhavelländischen Fußballplätze sind - wie hier in Vieritz - derzeit von einer dicken Schneeschicht bedeckt. © Christoph Laak
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Fußball: Aktuell wird coronabedingt nicht gekickt. Doch auf den schneebedeckten Plätzen wird ohnehin kaum noch selten gespielt, doch es gibt auch Ausnahmen.

Weiße Weihnachten hat es im vergangenen Jahr zwar nicht gegeben, dafür dürfen sich alle Winterfreunde derzeit über mehr als genügend Schnee im Westhavelland freuen. Würde der Spielbetrieb im Fußball nicht ohnehin wegen der Corona-Pandemie pausieren, am vergangenen Wochenende wären wohl alle Partien der Region dem winterlichen Wetter zum Opfer gefallen. Das war jedoch nicht immer so.

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„Ich kann mich an zwei Spiele gegen den VfB Auerbach erinnern, in denen wir auf Schnee gespielt haben“, verrät Jerome Leroy, Kapitän des Fußball-Regionalligisten FSV Optik Rathenow. Wirklich Spaß machen solche Spiele allerdings nur sehr selten. „Es geht meist sehr robust zur Sache, sind die Zweikämpfe umso wichtiger“, sagt der 31-Jährige. Rathenow hatte ein Spiel gegen die Voigtländer für sich entscheiden können und einmal musste man sich deutlich geschlagen geben.

Das war das Schneetraining des FSV Optik Rathenow

Ein Training unter besonderen Voraussetzungen hat der Fußball-Regionalligist aus Rathenow am Samstag bestritten. Zur Galerie
Ein Training unter besonderen Voraussetzungen hat der Fußball-Regionalligist aus Rathenow am Samstag bestritten. © Christoph Laak

„Vor einem der beiden Spiele hatten die Fans sogar die Linien freigeräumt, damit wir überhaupt spielen konnten. Das war eine tolle Sache, gegen robuste Auerbacher macht auf Schnee dagegen weniger Spaß, gleicht es auch mehr einer Lotterie“, schätzt Jerome Leroy ein. Er und seine Teamkollegen hatten zuletzt oft auf Schnee trainieren müssen. „Das macht im Vergleich zu den Spielen schon Spaß“, sagt der Rathenower Spielführer.

An ein besonderes Spiel auf weißem Geläuf kann sich auch Christian Freidank vom TSV Chemie Premnitz erinnern. „Wir waren damals noch in der Landesklasse und mussten beim SV Rot-Weiß Gülitz antreten“, so der Chemie-Spieler. Das war im Dezember 2010 und die Premnitzer waren mitten im Aufstiegskampf. „Eigentlich hatten wir alle damit gerechnet, dass dieses Spiel aufgrund der starken Schneefälle abgesagt wird. In Gülitz hatte man aber andere Pläne“, so Freidank, der damals noch zu den jüngeren Spielern gehörte.

Geschobene Linien bilden Banden

„Als wir dort ankamen, schauten wir nicht schlecht. Sie hatten die Linien und die Strafräume freigeräumt, der Rest des Platzes lag unter einer dicken Schneeschicht und war teilweise vereist“, sagt der Premnitzer und erinnert sich: „Wir hatten gar nicht genügend Handschuhe dabei und musste erstmal ausknobeln, wer welche bekommt.“

Der TSV Chemie ließ sich von den äußeren Umständen aber nicht beeindrucken und siegte nach einer souveränen Leistung am Ende mit 3:1. „Der Ball konnte damals gar nicht richtig ins Aus gehen, da hinter den Auslinien so eine Art Bande durch den geschobenen Schnee entstanden war. Das war schon grenzwertig“, so Christian Freidank.


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An eine ganz besondere Partie kann sich auch noch Marcel Steigemann vom SV Rhinow/Großderschau erinnern. In der Kreisliga mussten die Rhinower bei Blau-Weiß Walsleben antreten. „Wir mussten damals in Darritz spielen und aufgrund der Schneefälle in den Tagen zuvor gingen wir alle davon aus, dass das Spiel abgesagt werden würde“, erzählt der Defensivspieler, der auch heute noch für die Rhinower aktiv ist. Damals war es die einzige Partie, welche im Fußballkreis Prignitz/Ruppin an diesem Wochenende ausgetragen wurde.

„Da wir von einer Absage ausgegangen waren, sah auch der Vorabend dementsprechend aus, einige waren sehr verkatert“, so Marcel Steigemann. Gespielt wurde aber trotzdem und die Gastgeber kamen mit den Platzbedingungen zunächst deutlich besser zurecht“, erinnert sich der Defensivspieler an einen 0:3-Pausenrückstand.

Der Elfmeterpunkt muss gesucht werden

Doch nach dem Seitenwechsel kam die Wende. Mit zunehmender Spielzeit wurde Rhinow immer stärker. „Als wir einen Elfmeter bekamen musste Steffen Dalmann den Elfmeterpunkt unter dem Schnee erstmal suchen“, erzählt Steigemann, der zunächst auf der Bank Platz genommen hatte.

Doch auch er sollte noch zu seinem Einsatz kommen: „Unser damaliger Trainer Guido Wiesian gab mir den Schlüssel und sagte zu mir, dass ich in die Kabine gehen soll. Erst wusste ich gar nicht was er von mir wollte. Und dann meinte er noch: Geh rein und setz dich an die Heizung, ich winke dann, wenn du rauskommen sollst und eingewechselt wirst.“ Am Ende sollten die Rhinower Walsleben noch mit 5:4 niederringen und das in einer Partie, welche den damaligen Spielern wohl ewig in Erinnerung bleiben wird.