29. August 2020 / 08:03 Uhr

Werner-Ersatz an der Angel? RB Leipzig zwischen Zuschauernot und Sørloth

Werner-Ersatz an der Angel? RB Leipzig zwischen Zuschauernot und Sørloth

Guido Schäfer
Leipziger Volkszeitung
Stürmt Alexander Sørloth bald für RB Leipzig? Und wenn ja, wann werden ihn Fans vor Ort in der Red-Bull-Arena bejubeln können? Beides noch offen.
Stürmt Alexander Sørloth bald für RB Leipzig? Und wenn ja, wann werden ihn Fans vor Ort in der Red-Bull-Arena bejubeln können? Beides noch offen. © Dirk Knofe/Trond Tandberg/Getty Images/Montage
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Während RB Leipzig offensiv um Stürmer Alexander Sørloth kämpft, wird hinter den Kulissen am Zugang von Fans zu den Spielen gearbeitet. Nach dem Verbot von Großveranstaltungen bis Ende des Jahres erhofft sich die DFL, durch ein Schlupfloch doch Zuschauer in die Stadien lassen zu können.

Leipzig. Die Donnerstag-Botschaft aus dem Berliner Zentrum der (Ohn)Macht war für die Profi-Clubs aus deutschen Fußball-Landen unschön. Keine Fans in den Stadien bis Ende Oktober, kein Spektakel in der Red-Bull-Arena und den anderen Bundesliga-Örtlichkeiten also. Weil die Clubs der ersten und zweiten Ligen im Beiboot des Dickschiffes Deutsche Fußball-Liga schippern und damit in der Corona-Krise gut gefahren sind, gilt für alle: mitgehangen, mitgefangen.

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Es werden nach Stand der Dinge – unabhängig von regional unterschiedlichen Infektionsgeschehen – keine Unterschiede in Sachen Fan-Ausschluss gemacht. Bedeutet heruntergebrochen auf Leipzig: Das Hygienekonzept der Roten Bullen für einen teilweisen Zugang von Zuschauern ist zwar schlüssig-umsetzbar und bekam Bestnoten vom Leipziger Gesundheitsamt, bleibt aber vorerst in der Schublade.

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Besucher der Red-Bull-Arena können im Rahmen der Stadionführung nicht nur hinter die Kulissen blicken, sondern auch den Baufortschritt in Augenschein nehmen. Zur Galerie
Besucher der Red-Bull-Arena können im Rahmen der Stadionführung nicht nur hinter die Kulissen blicken, sondern auch den Baufortschritt in Augenschein nehmen. © Dirk Knofe

Demnach spielen die Männer von Julian Nagelsmann am 31. Oktober, das ist der sechste Spieltag, in Gladbach eventuell letztmals vor leeren Rängen, ehe am 7. November daheim gegen Freiburg wieder Fans dabei sein dürfen. Falls die just gebildete Taskforce der Staatskanzleien bis dahin Mittel und Wege ins gemeinsame Zuschauer-Glück gefunden haben.

Zwei Länderspiele in Leipzig ohne Fans?

Ein Hintertürchen für einen früheren Start mit Fans ist laut DFL-Interpretation der Berliner Kunde vorhanden. Der Bund-Länder-Beschluss „erteile Großveranstaltungen, bei denen eine Kontaktverfolgung und die Einhaltung von Hygiene-Regeln möglich sind, offensichtlich keine grundsätzliche Absage“, teilte die DFL mit. „Ob vor diesem Hintergrund Spiele der Bundesliga und 2. Bundesliga als Großveranstaltungen mit – und wenn ja, mit wie vielen – Stadionbesuchern stattfinden können, wäre auf lokaler Ebene zu klären.“

In den heiligen Hallen von RB hat man gestern die Köpfe zusammen gesteckt und die neue Lage erörtert. RB-Sprecher Florian Scholz: „Wir prüfen weiterhin alle Eventualitäten und sind im Austausch mit den Behörden.“ Dass die Stadion-Tore bis Ende Oktober zugeschlossen bleiben sollen, ist für Sachsens Fußball-Präsident Hermann Winkler weder erklärbar noch lebensnah. „Wir erleben volle Strände und Vergnügungsparks, aber ein halbleeres Stadion an der frischen Luft steht auf dem Index. Das versteht doch kein Mensch.“

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Die Vereine hätten viel Energie in umsetzbare Hygienkonzepte investiert „und bekommen zum Dank die Rote Karte aus Berlin“. Winkler: „Wenn ein Bundesland so gut wie keine Neuinfektionen vorweist, kann es nicht sein, dass die Angelegenheit gehandhabt wird wie in einer Region mit hohen Raten.“ Sorgenfaltig blickt der frühere Chef der Sächsischen Staatskanzlei und CDU-Europaabgeordnete auch auf die Länderspiele in Leipzig am 11. November gegen Tschechien und am 14. November gegen die Ukraine. „Zwei Länderspiele in Leipzig. Zwei Mal ohne Zuschauer? Das wäre mehr als bitter.“


Sørloth aus Trabzon im Anflug?

Unterdessen sind die RB-Chancen auf eine Verpflichtung von Milot Rashica (24/Bremen) und Weiterbeschäftigung von Patrik Schick (24/AS Rom) stark gesunken. Durchgesickert zwischen dicken Teppichen und Ado-Gardinen mit der Goldkante: Beide Deals klappen aus finanziellen Gründen (Ablöse etc.) zu 80 Prozent nicht. Im Fall von Schick haben italienische Vereine ihren Hut in den Ring geworden. In Italien geht es tempomäßig gemütlicher zu, müssen Stürmer nicht 90 Minuten mit einem 180er Puls rumrennen. Gut möglich, dass sich Schick sagt: „In Leipzig lauf‘ ich mir einen Wolf. Dann lieber la dolce vita!“

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Der Kader von RB Leipzig bleibt (natürlich) nicht unverändert. Folgende Zugänge zur Saison 2020/21 stehen bereits fest. Zur Galerie
Der Kader von RB Leipzig bleibt (natürlich) nicht unverändert. Folgende Zugänge zur Saison 2020/21 stehen bereits fest. ©

Immer klarere Bilder entstehen an einer anderen Front. Ja, RB würde gerne den 24-jährigen norwegischen Stürmer Alexander Sørloth kaufen. Der schnelle 1,94-Meter Schlaks erinnert an BVB-Held Erling Haaland, steht bis 2022 beim Premier-League-Klub Crystal Palace unter Vertrag und schoss vergangene Saison für Leih-Klub Trabzonspor in 34 Spielen 24 Tore. Die Türken besitzen eine Kauf-Option von sechs Millionen Euro und ließen eine erste RB-Offerte abtropfen. Demnächst gibt es mehr in diesem Kino.