28. Februar 2021 / 19:09 Uhr

Fußball in Jüterbog und Luckenwalde: Wolfgang Mauth ist immer am Ball geblieben

Fußball in Jüterbog und Luckenwalde: Wolfgang Mauth ist immer am Ball geblieben

Frank Neßler
Märkische Allgemeine Zeitung
Da geht's lang: Wolfgang Mauth hat im Fußball schon viel erlebt.
Da geht's lang: Wolfgang Mauth hat im Fußball schon viel erlebt. © Frank Neßler
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Wolfgang Mauth prägte Jahrzehnte lang den Fußball in Jüterbog und in Luckenwalde mit. Mitglied der BSG Lokomotive Jüterbog wurde er 1951 als 14-Jähriger - der Beginn einer langen Karriere.

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Nein, ein Buch mit Erlebnissen und Geschichten rund um den Fußball in Luckenwalde und Jüterbog wird Wolfgang Mauth nicht schreiben. Das Zeug zum Schriftsteller hat er nicht, meint der 83-Jährige. Dabei hätte er durchaus jede Menge zum Aufschreiben. In sieben Jahrzehnten hat Mauth so einiges auf dem Platz und an der Seitenlinie erlebt.

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„Mein Interesse am Fußball wurde in der Schule geweckt“, erzählt er. Treibende Kraft war Sportlehrer Fritz Lukelt. „Er hat vielen jungen Leuten meiner Generation die Liebe zum Fußball gelehrt“, erinnert sich Mauth. 1951 wurde er als 14-Jähriger Mitglied der BSG Lokomotive Jüterbog. Im Männerbereich erarbeitete sich Stammspieler Mauth als torgefährlicher Angreifer Respekt. 1962 stieg er mit dem Verein in die Bezirksliga auf. Jüterbog hatte damals mit Lok und Aufbau zwei Mannschaften in dieser Spielklasse.

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Ein Jahr später ging es für Mauth und seine Teamkollegen allerdings wieder runter. Zwei Bezirksliga-Staffeln wurden zusammengefasst, Lok verpasste die Qualifikation. Für Mauth war seine aktive Zeit dennoch eine sehr erfolgreiche. „In einer Saison war ich sogar mal Torschützenkönig“, erinnert sich der 83-Jährige. Einst vorhandene handschriftliche Aufzeichnungen und umfangreiche Statistiken aus diesen Tagen, akribisch von Kurt Dammmüller oder dem Jüterboger Fußballchronisten Willi Lehmann seinerzeit geführt, gibt es leider nicht mehr. Sie wurden nach der Wende ein Raub der Flammen.

Dem Fußball blieb Wolfgang Mauth nach seiner aktiven Zeit verbunden. Er startete er eher zufällig als Übungsleiter. Mit der Gründung der BSG Ausbau Jüterbog 1969 war ein neuer Ortsrivale für die etablierten Vereine in der Flämingstadt entstanden. „Der Konkurrenzkampf hat dem Jüterboger Fußball gut getan“, sagt Mauth rückblickend. Ausbau zog erfolgreich seine Kreise, die Lok-Männer stiegen dagegen ab. Hinter den Kulissen gab es Bestrebungen, beide Vereine zusammen zu führen. Auch Mauth erhielt ein Angebot. „Ich habe abgelehnt, rückblickend ist es jedoch der größte Fehler in meinem Sportlerleben“, sagt er mit der Erfahrung von heute. Als Lok-Verantwortlicher für den Nachwuchs sorgte er mit jungen Leuten für eine Trendwende. Im Spieljahr 1980/81 schaffte Mauth mit seiner Mannschaft den Aufstieg. Der Jüterboger Fußball war wieder überregional vertreten.

Mehr als 20 Jahre lang, mit wenigen Unterbrechungen aus gesundheitlichen Gründen, trug der Elektro-Handwerksmeister in der Folge als Trainer von Männerteams an der Seitenlinie Verantwortung. In den 1980er Jahren formte Mauth in Jüterbog zahlreiche später sehr erfolgreiche Fußballer. Bernd Danneberg, Ronald Göthel, Klaus Lorr, Uwe Berger, Mathias Linek, Ralf Dimde, Frank Streisel, Ralf Bertog, Dirk Salewski, Frank Böttcher, Torsten Zießnitz, Erik Meerstein oder Mathias Schramm sind nur einige Namen.

1990 nahm Mauth eine Trainer-Auszeit. Er blieb jedoch am Ball. In Viktoria Jüterbog umbenannt, lieferte sich der FC aus der Flämingstadt zu der Zeit packende Duelle mit dem FSV 63 Luckenwalde. Am Scheideweg standen beide Vereine in der Landesklassen-Saison 1993/94. Zur Winterpause führten die Jüterboger die Tabelle mit fünf Punkten an, doch am Ende stieg der FSV 63 auf. Seitdem verlief die Entwicklung unterschiedlich. Luckenwalde ist mittlerweile Regionalligist, Viktoria derzeit Schlusslicht in der Landesklasse Ost.

Als junger Stürmer war Wolfgang Mauth als kopfballstarker Angreifer von den  gegnerischen Mannschaften gefürchtet.
Als junger Stürmer war Wolfgang Mauth als kopfballstarker Angreifer von den  gegnerischen Mannschaften gefürchtet. ©

„Die Zeit nach der Wende war für Amateurfußballclubs generell schwierig“, erklärt Mauth. Besonders geärgert hat ihn lange, dass die Luckenwalder über Jahre hinweg etliche Fußballer aus Jüterbog abwarben. Zumindest einmal aber drehte Mauth den Spieß um. „Schon aus Prinzip“, wie er sagt, „ich habe 1983 Michael Gottlieb für die Bezirksliga nach Jüterbog geholt.“

Mauth selbst ging trotz aller Rivalitäten den umgekehrten Weg. Seine kompetente Arbeit als Übungsleiter für den Nachwuchs sprach sich herum. 2002 wurde der B-Lizenzinhaber zusammen mit Jörg Grahl und Hans-Ulrich Pohling einer von drei Trainern am damals neu aufgebauten DFB-Stützpunkt in Luckenwalde. „Florian Schmidt, der noch bei Chemie Leipzig aktiv ist, und der spätere Bundesligaprofi Dani Schahin gehörten zu den ersten, die wir gleich im ersten Jahr zur Sportschule geschickt haben“, sagt Mauth.

Etwa zur gleichen Zeit trainierte er die E-Junioren Viktoria Jüterbogs, die die gleichaltrigen Luckenwalder 11:0 besiegten. Daraufhin bekam Mauth ein Angebot vom Kreisstadtclub. Er nahm an. Einen Riesenfehler, wie bei der erwähnten Ausbau-Offerte, wollte er nicht noch einmal machen. „Wir haben in einem vernünftigen Gespräch die alten Geschichten begraben.“ Zwölf Jahre trainierte er noch den Luckenwalder Nachwuchs, ehe er sich 2019 als fast 82-Jähriger als Coach zurückzog.

Wenn es seine Zeit erlaubt, dann schaut er sich weiterhin Fußballspiele an. Vor allem vom Nachwuchs. „Ich finde es wunderbar, dass junge Fußballer, entgegen dem, wie die Jugend heute manchmal beurteilt wird, ganz anders sind. Freundlich und respektvoll werde ich von allen meinen einstigen Spielern immer begrüßt“, sagt Mauth.