14. Februar 2022 / 21:16 Uhr

Wolfsburg-Eigengewächs Rexhbecaj: "Wenn man gegen die Bayern gewinnt, dreht ganz Deutschland durch"

Wolfsburg-Eigengewächs Rexhbecaj: "Wenn man gegen die Bayern gewinnt, dreht ganz Deutschland durch"

Engelbert Hensel
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung
Hat mit dem VfL Bochum die großen Bayern geschlagen: Elvis Rexhbecaj, den der VfL Wolfsburg bis Sommer an den Aufsteiger verliehen hat.
Hat mit dem VfL Bochum die großen Bayern geschlagen: Elvis Rexhbecaj, den der VfL Wolfsburg bis Sommer an den Aufsteiger verliehen hat. © imago images/osnapix
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Elvis Rexhbecaj hat am Samstag mit dem VfL Bochum die Bayern geschlagen. Ein Spiel, dass das Eigengewächs des VfL Wolfsburg wohl nie vergessen wird.

Beim VfL Wolfsburg ist Elvis Rexhbecaj Profi geworden, bei den Niedersachsen hat das Eigengewächs seine ersten Spiele in der Fußball-Bundesliga machen dürfen. Im Sommer dann die Leihe vom VfL nach Bochum, mit dem Kultklub aus dem Ruhrpott hat er am Samstag die Bayern geschlagen. Fußball-Deutschland feiert die Bochumer – im SPORTBUZZER-Interview spricht der 24-Jährige über diesen unglaublichen 4:2-Sieg, die Feier danach und seine Zukunft.

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Als Aufsteiger gegen die großen Bayern mit 4:2 gewinnen – der VfL Bochum ist in aller Munde. Wird Ihr 93. Bundesliga-Spiel Ihnen immer in Erinnerung bleiben?

Ich habe schon viel miterleben dürfen. Als ich beim 1. FC Köln war, haben wir etwa das Derby gegen Gladbach gewonnen, aber auch mit Wolfsburg habe ich schöne Siege feiern dürfen. Aber das jetzt war schon sehr, sehr speziell, das war das Geilste, was ich bisher erleben durfte. Wir haben uns vorm Spiel gesagt: Bayern kann man immer mal packen.

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Das eine ist das sagen, das andere das machen…

...alles richtig, aber wir haben von Anfang an gezeigt, dass wir es machen wollen. Wir waren griffig und von der ersten Minute an da, sodass ich schnell das Gefühl hatte: Heute geht was gegen die Bayern. Aber dann war das typisch Bayern: Sie haben gefühlt aus keiner Chance ein Tor gemacht und wir lagen hinten. Aber dann war das Stadion da. Die Fans haben uns gepusht, nach vorn getrieben, wir sind vorn draufgegangen, haben fast auf dem ganzen Platz Eins-gegen-eins gespielt und hatten keine Angst. Und dann ist der Matchplan voll aufgegangen.

Was hat Ihnen Trainer Thomas Reis, den Sie ja noch aus Wolfsburg kennen, als Mannschaft vor dem Spiel mit auf den Weg gegeben?

Wir wollten über die Außen kommen und schnell spielen, wenn wir den Ball haben – mit ein, zwei Kontakten. Und so ist ja dann auch das 1:1 gefallen. Balleroberung außen, dann wird die Kugel quergelegt, Tor. Was dann passiert ist, war völliger Wahnsinn. Die Menschen im Stadion waren aus dem Häuschen.

Und was denkt man in dem Moment als Spieler?

Weitermachen, einfach weitermachen – das waren meine Gedanken. Und so kam es ja dann auch. Während des Spiels war das alles ein bisschen surreal, danach war es einfach nur noch geil.


Burger als Belohnung

Was haben Sie sich nach diesem Wahnsinns-Sieg gegönnt?

Zunächst einmal haben wir mit den Fans gefeiert, keiner wollte nach Hause. In der Kabine wurde die Musik aufgedreht, es wurde was getrunken und was gegessen, auch etwas Ungesundes (lacht).

Was gab es denn? Pizza?

Nein, Currywurst. Zu Hause habe ich mir Burger bestellt, das habe ich mir gegönnt nach solchen Big Points, die uns keiner wirklich zugetraut hatte. Es ist halt so: Wenn man gegen die Bayern gewinnt, dreht ganz Deutschland durch.

War Ihre Familie mit im Stadion dabei?

Mein Bruder war dabei, der Rest der Familie nicht. Mein Bruder ist heiser, hat fast keine Stimme mehr. Und zu Hause haben Mama, Papa und meine Schwestern mitgefiebert und sich mitgefreut. Ich habe viele Nachrichten bekommen, viele hatten mir schon zur Halbzeit geschrieben und mir Glück für die zweite Halbzeit gewünscht, weil die Bayern eben dafür bekannt sind, Spiele noch drehen zu können.

Haben Sie in der Nacht zu Sonntag schlafen können?

Ja, irgendwann bin ich eingeschlafen (lacht). Wir haben ja zum Glück immer nach dem Spieltag frei. Es wäre also nicht so schlimm gewesen, wenn ich nicht hätte schlafen können.

Gab es auch aus Wolfsburg Glückwünsche?

Ja, Betreuer und Physios haben mir geschrieben. Ich habe auch schnell mitbekommen, dass der VfL in Frankfurt gewonnen hat, das waren wichtige Punkte und hat mich gefreut.

Mit welchem Bayern-Spieler haben Sie hinterher das Trikot getauscht?

Mit keinem, weil ich nie so der Trikotsammler war. Ich tausche gern das Trikot mit einem Spieler, den ich schon aus der Jugend kenne. Und man muss auch sagen: Die Bayern waren am Samstag nach dem Spiel auch nicht lange auf dem Platz, sondern sind schnell verschwunden.

"Können ekliges Team sein"

Sie sind im Sommer aus Wolfsburg nach Bochum gewechselt, zu einem Klub, den viele Experten eher weit unten in der Tabelle erwartet haben. Die Realität sind anders aus, Bochum ist Elfter und hat nach 22 Spieltagen beachtliche 28 Punkte auf dem Konto. Hand aufs Herz: Haben Sie im Sommer damit gerechnet, dass es so gut läuft?

Ich hatte schon gewusst, worauf ich mich einlasse, sonst wäre ich nicht nach Bochum gegangen. Die Mannschaft ist total gefestigt, ist eine Einheit, viele Spieler hier spielen schon länger zusammen. Im Sommer sind neue Spieler dazu geholt worden. Einer von ihnen war ich, aber man hat sich damals nicht als neuer Spieler gefühlt, sondern man war gleich Teil des Ganzen. Und ich denke, das sieht man auch daran, wie wir auftreten. Ich wusste schnell, dass wir vor allem in den Heimspielen ein ekliges Team sein können. Und zu Hause sind wir wirklich schwer zu bespielen, auswärts müssen wir noch effizienter werden.

Als Vater des Erfolgs wird gern Thomas Reis genannt, wie gut kannten Sie beide sich eigentlich, zumal Reis ja in Wolfsburg A-Jugend-Trainer war?

Das ist ganz witzig: Viele denken, dass er auch in Wolfsburg schon mein Trainer war, aber das ist nicht richtig. Als er U19-Trainer wurde, bin ich in die U23 hoch gegangen. Ich kannte ihn ein bisschen, weil ich aus alter Verbundenheit zum Wolfsburger NLZ mir gern A-Jugendspiele angeschaut habe.

Sie sind ja bis zum Sommer an Bochum ausgeliehen und sind zuletzt öfter mal gefragt worden, wie es für Sie weitergeht? Einzig eine konkrete Antwort gab es nie…

...ganz ehrlich: Das, was nach der Saison ist, spielt für mich jetzt noch keine Rolle. Wir haben jetzt 28 Punkte, haben noch zwölf Spiele zu absolvieren und sind noch im Pokal dabei – ich habe genug andere positive Dinge, an die ich denke. Deshalb: Ich mache mir wirklich noch keine Gedanken.