22. Oktober 2021 / 21:28 Uhr

Wolfsburger Zeitreise in die Bundesliga (9): Gelb-Rot, Elfer verschossen, Spitze weg

Wolfsburger Zeitreise in die Bundesliga (9): Gelb-Rot, Elfer verschossen, Spitze weg

Jürgen Braun
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung
Gelb-Rot: Detlev Dammeier (l.).
Gelb-Rot: Detlev Dammeier (l.). © imago sportfotodienst
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Vor 25 Jahren begann das letzte Zweitliga-Jahr des VfL Wolfsburg. Den Weg zum Aufstieg begleiten wir in einer Serie Spieltag für Spieltag parallel zu denen der 25. Wolfsburger Bundesliga-Spielzeit, die ins Jubiläum mündet.

Das Jubiläum kommt! Egal, wie der VfL Wolfsburg abschneidet. Am Ende der Saison hat der VfL 25 Jahre Fußball-Bundesliga hinter sich! Am Stück. Das können von den aktuellen Bundesligisten nur wenige von sich behaupten. Nie abgestiegen aus dem Oberhaus sind aber neben Wolfsburg nur Leverkusen und München. 25 Jahre Bundesliga – bevor das Jubiläum kommt, nehmen wir Sie mit auf eine kleine Zeitreise. Spieltag für Spieltag. In die letzte Zweitliga-Saison.

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Alle bisherigen Teile der Zeitreise

25 Jahre – in vielen Bereichen kein ganz großes Jubiläum. In der Bundesliga eher außergewöhnlich. Außergewöhnlich beständig. Denn nur elf Klubs von insgesamt 56 Bundesligisten seit 1963 haben mehr als 25 Spielzeiten am Stück im Oberhaus gespielt.

Der kleine VfL Wolfsburg. Lange war er die Nummer 5 im Norden gewesen – hinter Bremen, dem HSV, Braunschweig und Hannover. In der Oberliga gefürchtet, doch in der 2. Bundesliga war das Team vom Elsterweg nur sechs Jahre seiner Geschichte gewesen, in der Bundesliga waren die Wölfe überhaupt kein Begriff. Wolfsburg stand für Volkswagen. Punkt. Bis es mit Trainer Uwe Erkenbrecher, Manager Peter Pander sowie Funktionären wie Wolfgang Heitmann oder Manfred Aschenbrenner Visionen gab und 1992 erneut der Aufstieg in die 2. Liga gelang.

Ein einstelliger Platz war das Ziel des VfL für die Saison 1996/1997 gewesen. Eine vorsichtige und realistische Herangehensweise nach unruhigen 18 Monaten, in denen erst Gerd Roggensack den VfL ins Pokalfinale 1995 als Nachfolger von Eckhard Krautzun geführt hatte, mit dem es bis ins Viertelfinale gegangen war. Das Halbfinal-1:0 beim klassenhöheren 1. FC Köln durch ein Tor von Siggi Reich blieb das Highlight unter Roggensack. Zum Aufstieg führte er das Team, das lange einen Aufstiegsplatz bekleidet hatte, nicht mehr.

Roggensack war bereits im Oktober 1995 nach einem Heim-0:5 gegen Bochum von Ex-HSV-Profi Willi Reimann abgelöst worden. Eine auf dem Papier sehr namhafte Mannschaft konnte der knorrige Hanseate immerhin mit seiner stoischen Art voranbringen, so dass sie dann in der Rückrunde 95/96 bis zum Ende 14 Mal in Folge ungeschlagen blieb. Danach ging es in eine ganz besondere Saison.

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Der neunte Spieltag der Zweitliga-Saison 1996/97

Was zuvor so war: Die Toten Hosen ließen es am Abend vor dem VfL-Spiel in Wolfsburg krachen. Campino und Co. spielten im mit 3200 Fans ausverkauften und tobenden CongressPark. Der 1. FC Kaiserslautern hatte unter der Woche in einer seit Saisonbeginn ausstehenden Partie 0:0 gegen Unterhaching gespielt, das reichte noch nicht, um den VfL zu überholen, führte aber dazu, dass alle Top-Teams nun die gleiche Anzahl Spiele hatten, die Tabelle im oberen Bereich nun gerade war.


Das Spiel: In dieser Partie war alles drin, Hektik, Elfer, Kampf, Gelb-Rot - allein, es fehlten die Tore. Reimann war zu Umstellungen gezwungen gewesen, Zoran Tomcic fehlte gesperrt, Holger Ballwanz (für ihn spielte Ulf-Volker Probst) verletzt. Im Hexenkessel Westsachsenstadion war Kampf angesagt, den hatte Wolfsburg eine Woche zuvor noch vermissen lassen, war diesmal bereit. Allerdings: Bereits nach 18 Minuten nahm Reimann den Tomcic-Ersatz runter, wollte ihn vor Gelb-Rot schützen.

Was hier gelang, gelang später nicht mehr. Detlev Dammeier erwischte es eine halbe Stunde vor Schluss mit Ampelkarte. Da hätte der VfL schon führen können, doch Matthias Maucksch, bis dahin dreimal vom Punkt für Wolfsburg erfolgreich gewesen, scheiterte. Fast schon eine Geschichte für sich. Ausgerechnet Mauckschs früherer Dresdener Mitspieler Hans-Uwe Pilz hatte dem FSV-Torwart einen Tipp gegeben, prompt parierte Dirk Meyer. Den Strafstoß hatte der eigentliche Landesliga-Keeper mit Foul an Stefan Meißner selbst verursacht. Meyer wiederum war nach acht Minuten in den Kasten gekommen. Stammkeeper Rainer Hoffmeister hatte sich im Luftkampf mit Jens Härtel verletzt. Härtel spielte mit Verbandsturban weiter, Hoffmeister (eigentlich Nummer 2, aber der Stammtorwart war beim Länderspiel) kam ins Krankenhaus. In Unterzahl hielt die zweitbeste Abwehr der Liga stand. Wolfsburg allerdings konnte mit dem neuerlichen 0:0 damit die Spitze nicht zurückerobern, hatte noch Glück, dass Mainz 05 über ein 2:2 (allerdings nach 0:2-Rückstand bei Kellerkind Mannheim) nicht hinauskam. Sonst wäre nicht nur Rang zwei weg gewesen, wer weiß, wie sonst alles gekommen wäre...

Die Statistik

FSV Zwickau - VfL Wolfsburg 0:0
(6. Okt. 1996)

  • FSV: Hoffmeister (8. Meyer) - Tipold, Hermel, Jasarevic - Günther (65. Kunze), Härtel, Pilz, Groth, Hecker (65. Pohl) - Kirsten, Klee.
  • VfL: Zimmermann - Maucksch, Jensen, Kleeschätzky (18. Stammann) - Probst, Präger, Dammeier, Deering, Keller - Tyszkiewicz (87. Kapetanovic), Meißner (61. Spies).
  • Schiedsrichter: Neis (Theley). Zuschauende: 6300.
  • Gelbe Karten: Meyer - Kleeschätzky, Maucksch, Meißner. Gelb-Rot: Dammeier (59.)
  • WAZ-Spieler des Spiels: Zimmermann.

Die Tabellen nach dem 9. Spieltag der Zweitliga-Saison 1996/97
1. FC K'lautern...11:3 17

2. Wolfsburg........11:4 16
3. Mainz 05...........13:7 16
4. Fortuna Köln.....17:10 15
5. Uerdingen.........16:11 15
6. St. Kickers........12:8 15
7. Unterhaching......8:6 13
8. Hertha BSC.....14:9 12
9. Carl Zeiss Jena...10:10 12
10. SV Meppen........7:7 12
11. Eintr. Frankfurt.....10:10 11
12. VfB Leipzig.....15:19 11
13. Zwickau...........9:10 9
14. Lübeck.............6:16 9
15. Gütersloh.........6:14 8
16. Mannheim.......14:17 7
17. Essen..............13:24 7
18. Oldenburg........10:16 6

In einer AZ/WAZ-Serie zeichnen wir den Weg zum Aufstieg nach – gehen ihn Spieltag für Spieltag parallel zur neuen Bundesliga-Saison mit. Was 2021/22 am Ende stehen wird, wissen wir noch nicht, was 1997 am Ende der Saison stand, wissen alle Fans. Manche aber waren damals noch jung, manche noch gar nicht geboren.

Bei dieser Zeitreise können sie mitmachen. Schicken Sie uns gerne Mails, wenn Sie mögen auch Fotos (als Dateien, bitte keine Originale; an sport@waz-online.de), mit Ihren besonderen Erinnerungen an Partien, oder posten Sie sie am entsprechenden Spieltag in den dann erscheinenden Sportbuzzer-Beitrag bei Facebook.