01. Dezember 2020 / 14:31 Uhr

Wolfsburgs Bialek auf den Spuren von Ibrahimovic? "Es gibt Gemeinsamkeiten..."

Wolfsburgs Bialek auf den Spuren von Ibrahimovic? "Es gibt Gemeinsamkeiten..."

Marcel Westermann
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung
Traf erstmals in der Bundesliga: Neu-VfLer Bartosz Bialekt sieht Gemeinsamkeiten zu Weltstar Zlatan Ibrahimovic (kl. Bild).
Traf erstmals in der Bundesliga: Neu-VfLer Bartosz Bialekt sieht Gemeinsamkeiten zu Weltstar Zlatan Ibrahimovic (kl. Bild). © Roland Hermstein
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Am Freitagabend beim 5:3-Spektakel des VfL Wolfsburg setzte Bartosz Bialek mit seinem ersten Tor in der Fußball-Bundesliga den Schlusspunkt. Aber der 19-jährige Neuzugang ist keiner, der sich nun zurücklehnt.

Im Sommer der Wechsel aus Polen zum VfL Wolfsburg, Anfang November sein Debüt in der Fußball-Bundesliga, jetzt der erste Treffer im deutschen Oberhaus: Neuzugang Bartosz Bialek erlebt gerade einen Höhenflug. Beim 5:3 gegen Werder Bremen setzte er mit seinem Treffer kurz vor dem Ende den Schlusspunkt einer aufreibenden Partie. Jetzt sprach der 19-Jährige erstmals seit seinem Wechsel im Sommer über sein Vorbild, die Stadt Wolfsburg und sein Tor-Debüt.

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Für 5 Millionen Euro war Bialek von Zaglebie Lubin zum VfL gewechselt. Schon in den ersten Trainingseinheiten war zu erkennen, welch großes Potenzial in dem Youngster steckt. Dass es für den Angreifer nun aber so schnell ging, das hatte er nicht erwartet. "Ich kann das noch gar nicht realisieren, es fühlt sich an wie in einem Traum", schwärmt Bialek, der vor eineinhalb Jahren noch in der 3. polnischen Liga gekickt hatte. Auch Borussia Mönchengladbach und Eintracht Frankfurt sollen am Top-Talent dran gewesen sein, doch seine Wahl fiel auf Wolfsburg. "Ich wusste, dass der VfL viele talentierte Spieler hat, das Stadion hat mir sofort gefallen, ich habe mich direkt wohlgefühlt", erklärt Bialek, warum er sich für den VfL entschieden hat.

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Die Stadt konnte er zwar aufgrund der Corona-Krise noch nicht wirklich erkunden, angekommen ist er dennoch. "Ich habe mich sehr gut eingelebt, meine Teamkollegen helfen mir dabei", freut sich der Stürmer. Dass er sich wohlfühlt, zeigt er auch auf dem Platz. Gegen Bremen wurde er in der 81. Minute eingewechselt - die Einsatzzeit steigert sich, in Berlin und auf Schalke durfte Bialek jeweils nur eine Minute ran. Und das Vertrauen von Trainer Oliver Glasner zahlte der Torjäger direkt zurück. Nach Zuspiel von Joao Victor schob er zum 5:3-Endstand ein.

"Ich bin glücklich, dass wir das Spiel gewonnen haben und freue mich, dass ich mein erstes Tor gemacht habe", sagt Wolfsburgs Nummer 21. Als Erinnerung an das für ihn bedeutsame Spiel schenkte Sportdirektor Marcel Schäfer ihm den Spielball. "Noch liegt er im Schrank", sagt Bialek und erklärt, warum: "Ich möchte noch Unterschriften von allen Mitspielern sammeln. Dann wird er an einen einzigartigen Ort kommen, wo ich ihn immer sehen kann."

Ans höhere Tempo und die größere Qualität in der Bundesliga musste sich Bialek erst mal gewöhnen - das wird sicher auch noch etwas dauern. Daher steckt er sich in seiner ersten Saison keine allzu großen Ziele. "Ich möchte mich jeden Tag weiterentwickeln", sagt der VfLer und deutet an, was er besonders gut kann: "Ich denke, ich bin physisch stark und habe einen guten Schuss." Aber auch daran will Bialek weiter arbeiten und schaut auch gern mal zu den Teamkollegen Wout Weghorst und Daniel Ginczek auf. "Ich beobachte immer genau, wie sie arbeiten. Ich sehe sie als Vorbilder."

Doch sein größtes Vorbild ist ein anderer - und damit ist nicht Bayern-Star und Landsmann Robert Lewandowski gemeint, mit dem Bialek oft verglichen wird. In der Heimat wird der VfLer sogar als "Mini-Lewandowski" betitelt. "Ich fühle mich geehrt, aber ich möchte mir selbst eine Persönlichkeit aneignen und dass die Nachwuchsspieler in Polen mich später als der Mini-Bialek bezeichnen", so der Wolfsburger schmunzelnd.


Viel mehr schlägt sein Herz für Schweden-Star Zlatan Ibrahimovic. "Es gibt einige Gemeinsamkeiten", sagt der ruhige und zurückhaltende Bialek über den extrovertierten Weltfußballer. "Nicht als Person, sondern auf dem Platz", schiebt der 19-Jährige nach. Sowohl der Spielstil als auch die Robustheit ähneln sich. "Seine Technik ist perfekt, und obwohl er schon älter ist, bringt er seine Leistung."

Die Top-Torjäger der Bundesliga-Geschichte des VfL Wolfsburg:

Wolfsburgs Legende Roy Präger liegt mit 24 VfL-Bundesliga-Toren auf Platz 11. Zur Galerie
Wolfsburgs Legende Roy Präger liegt mit 24 VfL-Bundesliga-Toren auf Platz 11. ©

Schmadtke lobt den Stürmer

Dass Bialek so schnell den Sprung in die Bundesliga schaffen kann, darüber ist Jörg Schmadtke nicht überrascht. Der VfL-Manager hatte schon im Sommer angedeutet, dass es bei Bialek möglicherweise etwas schneller gehen könne, "weil er ein unbekümmerter, erfolgshungriger und aufgeweckter Junge ist", begründet der 56-Jährige, "weil er eben Qualitäten im Strafraum hat".

Gegen Bremen habe er zweimal den Ball auf den Fuß gespielt bekommen, "und dann haut er ihn beide Male mit großer Selbstverständlichkeit rein". Ein Treffer wurde jedoch nachträglich aberkannt. Dass Bialek nach seiner Einwechslung so abgezockt vor der Kiste geblieben war sei nicht selbstverständlich. "Es gibt schon den einen oder anderen Spieler, der da einen Wackelfuß bekommt, er aber hat keinen bekommen", lobt der Manager den bodenständigen U21-Nationalspieler, der jeden Tag lernen wolle. Schmadtke: "So versucht er, sein Spiel immer besser zu machen."

Auf dem Platz kann er explodieren, von seinen Mitspielern wird er als ruhig und noch etwas schüchtern beschrieben. Schmadtke: "Er ist eher keiner, der auf dem Tisch tanzt", sagt der Manager schmunzelnd. "Ich kann mir jedoch vorstellen: Wenn es mal richtig abgeht, ist er vorn mit dabei." Dass Bialek, der gerade Deutsch lernt, nicht so viel rede, "ist kein Nachteil. Manchmal muss man ja auch gar nicht so viel reden, manchmal reicht bei ihm schon ein Blickkontakt. Er versteht die Dinge schon."