17. April 2021 / 11:48 Uhr

"Zu wenig aufs Tor gespielt": RB Leipzig lässt Heimdominanz vermissen

"Zu wenig aufs Tor gespielt": RB Leipzig lässt Heimdominanz vermissen

Elena Boshkovska
Leipziger Volkszeitung
Dritte Heimspiel ohne Sieg: Gehen am Ende RB Leipzig die Körner aus?
Dritte Heimspiel ohne Sieg: Gehen am Ende RB Leipzig die Körner aus? © dpa
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Mit dem Unentschieden gegen Hoffenheim riskiert RB Leipzig erneut einen größeren Rückstand auf den Rekordmeister FC Bayern München. Dennoch lassen die Roten Bullen die Köpfe nicht hängen und glauben bis zum Schluss an ihre Chance.

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Leipzig. Es ist das dritte Heimspiel, das RB Leipzig in Folge nicht gewinnen konnte. Nachdem Spiel gegen die TSG Hoffenheim müssen sich die Roten Bullen mit einem torlosen Remis und einem Punkt zufrieden geben. Aber das sind sie nicht. Vor allem bitter: Yussuf Poulsen macht in den letzten Sekunden noch ein Tor. Doch da er sich beim Kopfball die Pille an die eigene Hand köpft, wird das Tor aberkannt. „Natürlich sind wir nicht zufrieden. Vor allem wegen der Szene am Schluss, wo wir eigentlich gedacht haben, dass wir die drei Punkte mitnehmen.“

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Auch Trainer Julian Nagelsmann bedauerte die Entscheidung: „Die Regel ergibt für Fußballer eigentlich keinen Sinn“, sagte der Bullen-Coach. Dennoch wurde sie korrekt angewendet, deshalb habe der Treffer auch nicht gezählt. „In solchen Situationen sieht man die negative Seite des Videobeweises, weil man von einer maximalen Emotion innerhalb weniger Sekunden auf das Minimum heruntergeschraubt wird. Man kann sich über ein Tor nicht so richtig freuen, muss immer lange warten, um zu erfahren, ob es zählt oder nicht. Das macht den Sport zwar fairer, aber nicht zwingend schöner. Und erst recht nicht, wenn man nicht die drei Punkte bekommt.“

DURCHKLICKEN: Die Bilder zum Remis der Leipziger gegen Hoffenheim

Enttäuschend: RB Leipzig kommt nach einer ganz schwachen Leistung ohne Esprit und Durchschlagskraft gegen die TSG 1899 Hoffenheim nicht über ein torloses Remis hinaus. Zur Galerie
Enttäuschend: RB Leipzig kommt nach einer ganz schwachen Leistung ohne Esprit und Durchschlagskraft gegen die TSG 1899 Hoffenheim nicht über ein torloses Remis hinaus. © Getty Images

679 gespielte Pässe, eine Passquote von 88 Prozent, etwa 60 Prozent Ballbesitz – die Statistiken sprechen eigentlich alle für RB Leipzig. Julian Nagelsmann wusste nach der Partie, woran es lag, dass sie nicht über das torlose Unentschieden hinauskamen: „Das Problem im ganzen Spiel war, dass wir zu wenige aggressive Läufe in den Sechzehner hatten. Wir haben zu viel Ballbesitzfußball und zu wenig aufs Tor gespielt. Deshalb haben wir nicht gewonnen.“

Sørloth gibt Gas – aber ohne Erfolg

Trotzdem sind, zumindest rein statistisch gesehen, 14 Torschüsse zustande gekommen. An Chancen hat es also nicht wirklich gemangelt. „In der Mitte der ersten Halbzeit haben wir viele Diagonalbälle gespielt, die alle in die Hände von Oliver Baumann gelandet sind“, analysiert der Coach. Das habe den Roten Bullen für einige Minuten die Power genommen. Mit der zweiten Halbzeit sei er grundsätzlich zufrieden, erkannte auch an, dass die Hoffenheimer gut verteidigt haben.

Und gerade diese zweite Halbzeit, die Dominanz, die sie im zweiten Durchlauf an den Tag legten, kam auch deshalb zustande, weil der Trainer irgendwann Alexander Sørloth einwechselte und damit endlich einen Stürmer ins Spiel brachte. Dass das Spiel der Leipziger durch seinen Einsatz einen offensiveren Charakter bekam, ließ sich nicht bestreiten. Warum also hatte sich der Leipziger Cheftrainer zunächst gegen den Norweger und dann erst sehr spät für ihn entschieden? Der Stürmer, dem das Selbstvertrauen nach seinem Doppelpack gegen Werder Bremen (4:1) deutlich anzusehen war, konnte sich besser im Angriff durchsetzen, als zuvor die Reihe um Emil Forsberg, Dani Olmo und Christopher Nkunku. Im Endeffekt konnte auch er leider nichts mehr am Ergebnis verändern.

"Die ganz großen Chancen haben gefehlt"

Meisterkampf ade, also? So wirklich wollen sie die Hoffnung nicht aufgeben, auch wenn die Chancen fünf Spieltage vor Saisonende nur noch theoretisch sein dürften. „Grundsätzlich finde ich es gut, dass meine Spieler nicht die Köpfe hängen lassen und weiter dran glauben“, sagte der Bullen-Coach. Und auch Poulsen betonte: „Wer den Jubel nach meinem aberkannten Tor gesehen hat, merkt, dass wir noch daran glauben. Müssen wir auch, bis zum Schluss“, sagte der unglückliche Torschütze. Jedoch weiß auch er, dass es gegen den Ex-Club von Cheftrainer Julian Nagelsmann zu wenig war. „Es war nicht unsere beste offensive Leistung.“

Auch der ehemalige RB-Kapitän Willi Orban wusste nach dem Spiel zu analysieren, was gefehlt hat: „Wir waren im letzten Drittel nicht sehr zwingend, haben die Geradlinigkeit vermissen lassen. Am Ende haben wir schon Druck gemacht, aber die ganz großen Chancen haben gefehlt.“ Ein Sieg wäre vor allem aufgrund ihrer Leistung in der zweiten Hälfte verdient gewesen, meinte Orban im Nachgang des Remis. Sollte es für die Meisterschaft nicht reichen, so haben die Roten Bullen dennoch „ambitionierte Ziele“, so der Verteidiger. „Wir wollen so viele Punkte holen, wie es geht und noch so lange Gas geben, wie es theoretisch noch möglich ist.“