22. Oktober 2021 / 15:48 Uhr

Zu wenig Tore bei Hannover 96: Trainer Zimmermann setzt sich selbst unter Druck

Zu wenig Tore bei Hannover 96: Trainer Zimmermann setzt sich selbst unter Druck

Andreas Willeke
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
19.10.2021 , Fußball  , Hannover 96 (Training) , 2. Bundesliga , Saison 2021-22 , FOTO: Florian Petrow :
Training:
Jan Zimmermann
96-Coach Jan Zimmermann beim Training © Florian Petrow
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"Ich bin verantwortlich und sehr selbstkritisch und mache mir selber den größten Druck", sagt 96-Trainer Jan Zimmermann. Nach 96-Chef Martin Kind macht sich Zimmermann sogar zu viel Druck. Aber klar ist trotzdem: „Wir haben deutlich zu wenig Tore geschossen, wir haben deutlich zu wenig Punkte geholt". 

Die aktuelle Stimmungslage beim 96 zugeneigten Publikum ist so, wie das vorletzte Spiel in Nürnberg endete – unentschieden. Jan Zimmermann bringt das auch gut auf den Punkt: „Alle wünschen sich, dass es funktioniert, was wir hier machen, aber es geht darum, dass wir erfolgreich sind.“ Zwei Niederlagen in den letzten drei Spielen (Sandhausen 1:2, Schalke 0:1) sind nur eben keine Erfolgsbilanz. In die Formulierung „alle“ schließt der 96-Trainer Sportchef Marcus Mann und 96-Chef Martin Kind ein, mit denen er „eng und vertrauensvoll“ zusammenarbeitet. Was beide ja auch bestätigen.

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Zimmermann nimmt sich dazu aber auch in die Pflicht: „Ich bin verantwortlich und sehr selbstkritisch und mache mir selber den größten Druck.“ Wenn man Kind fragt, dann setzt sich der 42-Jährige vielleicht sogar zu stark unter Druck. Entlastend merkt Zimmermann jedoch auch schon, „dass für Hannover-Verhältnisse die Grundstimmung sehr positiv ist, das freut mich“.

"Ich bin verantwortlich"

Die „junge, frische Lösung“, die Kind mit dem Havelser gefunden hat, schwebt allerdings nicht im luftleeren Raum, sondern muss sich irgendwann auch in der Tabelle bestätigen. Platz 14 ist dabei kein Argument. „Wir haben deutlich zu wenig Tore geschossen, wir haben deutlich zu wenig Punkte geholt“, sagt der Trainer, „wir haben uns das alle etwas anders vorgestellt. Wir müssen uns hinterfragen, was wir besser machen können und warum die Form in den letzten Spielen nicht gestimmt hat.“


Nach dem großen Umbruch mit elf neuen Spielern sind zwar „Rückschläge einkalkuliert und normal“, weiß nicht nur Zimmermann, „aber ich will es mir auch nicht zu einfach machen. Wir sind hinter den Erwartungen, die ich mir auch selber stecke, zurück.“

"Ich will es mir nicht zu einfach machen"

Das sieht Innenverteidiger Julian Börner genauso. Im Interview mit dieser Zeitung hat er dazu den Blick vom Trainer auf die Mannschaft gerichtet. „Zu viele Spieler kommen nicht an ihre Form heran, die sie schon gezeigt haben“, ärgert sich der 30-Jährige. Er versuche, „den Jungs, von denen ich weiß, sie können es besser, einen Tritt in den Hintern zu geben. Denn so geht’s nicht, und so macht’s keinen Spaß.“

Mit diesem Problem schlägt sich Zimmermann auch herum. Er habe „einen Handvoll Spieler, denen es guttun würde, einen Brustlöser zu haben“. Das sind vor allem die Offensiven wie Sebastian Kerk, „der in einem kleinen Tief und mit seiner Leistung nicht zufrieden ist“, wie der Coach erklärt: „Aber es betrifft nicht nur Kerk, sondern auch Sebastian Ernst und die anderen Mittelfeldspieler.“ Sie sollen, und das fordert der Trainer, „Eins-gegen-eins-Situationen lösen und aus dem Mittelfeld mehr Dynamik, Druck und Torgefahr ausstrahlen.“

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Dabei sind auch die vorderen drei, Linton Maina, Maximilian Beier und Lukas Hinterseer, gefragt. Der Ersatztorjäger für Marvin Ducksch hat nach fünf Spielen noch nicht getroffen, bleibt aber gesetzt.

„Lukas ist auch nicht zufrieden“, erläutert der Coach, „aber er versprüht eine gute Atmosphäre.“ Jetzt wäre es auch noch gut, wenn Hinterseer Torgefahr versprühen würde. „Wir haben ihn nicht so in Szene gesetzt, wie es für einen Mittelstürmer wichtig ist“, entschuldigt der Trainer, „aber seine Leistung gegen Schalke war auch schwächer als zuvor.“

Viele Baustellen, viele Spieler, die sich fangen müssen – und die einen Nachteil haben, der keiner sein dürfte: „Wir haben viele intelligente und reflektierte Spieler in unseren Reihen, die sich ein bisschen mehr damit beschäftigen.“ Der Umkehrschluss wäre dann wohl – je einfältiger, desto leichter fällt die Krisenbewältigung im Fußball. Das ist dann aber noch mal eine ganz andere Debatte. Die beste Strategie bleibt jedenfalls, mal zu gewinnen. Obwohl beim Tabellenzweiten in Regensburg ein Unentschieden auch in Ordnung wäre.