25. Februar 2021 / 15:19 Uhr

Zuschauerrekord? Nordsachsens Finale des TZ-Bärenpokals gilt als wahrer Magnet

Zuschauerrekord? Nordsachsens Finale des TZ-Bärenpokals gilt als wahrer Magnet

Johannes David
Leipziger Volkszeitung
Ein Teil der Mörtitzer Fans auf der Gegengerade während des Endspiels 2019. Mittendrin ein offenbar leicht verzweifelter Ordner.
Ein Teil der Mörtitzer Fans auf der Gegengerade während des Endspiels 2019. Mittendrin ein offenbar leicht verzweifelter Ordner. © Wolfgang Sens
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Hält Nordsachsen den deutschen Zuschauerrekord für Kreispokal-Endspiele? 1107 Fans strömten 2019 ins Torgauer Hafenstadion – eine Spurensuche zur finalen Beliebtheit.

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Torgau. „In diesen Nächten packt mich ein Verlangen, das wie ein Feuer kommt …“, schrieb einst Konstantin Wecker und hatte dabei etwas fast so Sinnliches wie Fußball im Sinn. Auch für Nordsachsens Kicker kommt einmal im Jahr diese brennende Nacht. Das TZ-Bärenpokal-Finale im Torgauer Hafenstadion ist ein siedend-heiß ersehntes Ereignis, das märchenhafte Zahlen hervorbringt. 1.107 Fans wollten das Spiel der Spiele anno 2019 sehen. Die Partie steht in Verdacht, den deutschen Zuschauerrekord für Pokal-Endspiele auf Kreisebene zu halten.

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Eine entsprechende Anfrage beim Deutschen Fußball-Bund ergab allerdings wenig Erhellendes für diese Nächte: „Wir haben unsere Experten befragt, können aber mit so einer Statistik leider auch nicht weiterhelfen.“ Was schade ist, erfasst doch der Verband auf seinem Portal fussball.de seit Jahren auch noch zu Spielen in der 5. Kreisklasse sämtliche Statistiken. Aufstellungen, Wechsel, Verwarnungen, Platzverweise, Schiedsrichter und Assistenten – und eigentlich auch Zuschauer. Nur wird diese Rubrik nicht ganz so heilig gepflegt wie die übrigen.

Fußball-Kreispokal-Finale 2019: Hartenfels Torgau spielt gegen den LSV Mörtitz.
Fußball-Kreispokal-Finale 2019: Hartenfels Torgau spielt gegen den LSV Mörtitz. © Wolfgang Sens

Der tiefere Blick in die Historie gestaltet sich noch schwieriger, als alles noch per Hand in Spielberichtsbögen und Notizblöcke skizziert wurde. Ein Anruf bei Volkmar Beier bestätigt die nahezu unmögliche Aufarbeitung. „Da war in den letzten Jahren zu viel Streuung und Bewegung drin“, sagt der Chef-Spielplaner des Nordsächsischen und Sächsischen Fußballverbandes mit Blick auf all die Verbandsfusionen der Vergangenheit. Und so kann auch er nur mit einer vagen Behauptung dienen: „Kreispokalendspiele mit mehr als 1.000 Besuchern dürfte es nicht allzu oft geben.“ Immerhin schiebt er noch zwei Trostpreise hinterher: „Das 2019er Finale war auf jeden Fall für die Saison 2018/19 sächsischer Rekord.“ Und: „Das nordsächsische Endspiel gilt seit Jahren als Publikumsmagnet.“

Aufgalopp mit Einlaufkindern

Aber warum ist das eigentlich so? Der hiesige Pokal-Guru Manfred Otto kennt die Antworten. Und das sind einige. „Torgau ist ein guter Standort, hat schon bei normalen Spielen vergleichsweise viele Zuschauer. Das Stadion ist ideal. Der Rahmen gibt viel her. Dazu hat sich unser Termin als absolut richtige Wahl erwiesen. Und wenn dann noch eine günstige Ansetzung dabei ist, passt alles.“

Ein langes Zitat, das kurz aufgeschlüsselt gehört. Da wäre das besondere Flair. Ein Frühlingsabend unter Flutlicht, ein Feiertag vor Himmelfahrt, Anstoßzeit 20 Uhr. Der Atem der großen Fußballwelt. Das Hafenstadion bietet für Kreisverhältnisse einiges auf. Allein 540 Plätze sind überdacht, darunter sogar 270 Sitzschalen. Die Aufteilung in Gerade und Gegengerade macht die Fanlager glücklich. Und im Vorprogramm tragen die A- oder B-Junioren ihr Finale aus. Bereits zu diesem Zeitpunkt sind oft 400 Zuschauer im Stadion – und bleiben dort auch. Der Aufgalopp der Mannschaften mit Einlaufkindern an der Hand erinnert gleichfalls ein wenig an die Champions League.

Hinter dem einpeitschendem Mörtitzer Trainer Hatem Abid lassen sich die Zuschauermassen während des 2019-er Finals in Torgau nur ungefähr erahnen.
Hinter dem einpeitschendem Mörtitzer Trainer Hatem Abid lassen sich die Zuschauermassen während des 2019-er Finals in Torgau nur ungefähr erahnen. © Wolfgang Sens

Und dann wären da noch die Paarungen. Im Rekordjahr 2019 traf Außenseiter Mörtitz aus der Kreisliga auf Hartenfels Torgau. Der inoffizielle Gastgeber durfte nach dem Abstieg in die Nordsachsenliga erstmals überhaupt am 2010 eingeführten Wettbewerb teilnehmen (Teams, die auf Landesebene unterwegs sind, sind nicht zugelassen) und erreichte prompt das Finale. So entwickelte die Partie einen Sog, war aber letztlich sehr einseitig. Die Hausherren fegten mit 7:1 über Mörtitz hinweg, beglückten damit sich und natürlich auch diverse Heimfans unter den sagenumwobenen 1.107 in den Weiten des Runds.

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Die Halbwertszeit dieser mächtigen Ziffer schien reichlich kurz. Schon im vergangenen Jahr erreichte Hartenfels erneut das „Finale offer heeme“ und schickte sich an, den Titel zu verteidigen. Als Gegner reiste mit Blau-Weiß Wermsdorf ein Nordsachsenliga-Topteam an, beste Vorzeichen für ein in jeder Hinsicht fulminantes Finale. „Ich bin mir sicher, dass wir den Rekord geknackt hätten“, sagt der nicht ganz objektive Manfred Otto und liefert die Begründung Post Scriptum: „Wermsdorf liegt gleich um die Ecke, ist nicht irgendein Dorfverein in dem Sinne, wollte schon im Vorverkauf 300 Karten.“ Doch das Hygienekonzept ließ nur 600 Zuschauer zu. Die sahen eine denkwürdige Partie, samt Elfmeterdrama, das die Blau-Weißen 5:4 gewannen.

Nun wird sich Hausherr und Publikumsmagnet Hartenfels womöglich nicht so schnell wieder blicken lassen. Seit der Rückkehr in die Landesklasse im vergangenen Sommer ist er nicht mehr für den Kreispokal zugelassen. Der Platz in den Geschichtsbüchern aber bleibt – vorerst. Die Maximal-Kapazität des Hafenstadions beträgt übrigens 5.000 Zuschauer – da ist also noch Potenzial nach oben, in diesen Nächten …